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Der muskelbepackte Idiot

Von Mumia Abu-Jamal
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Freiheit für Mumia Abu-Jamal!

Achtzehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und nach dem Einmarsch der US-Truppen und ihrer Verbündeten in Afghanistan, nach dem mit Lügen gerechtfertigten ungeheuren Krieg gegen den Irak 2003 und nach weiteren militärischen Einsätzen Washingtons in anderen Teilen der Welt stellt sich die Frage: Wo stehen die USA heute? Ich behaupte, dass die Vereinigten Staaten von Amerika sich im Niedergang befinden. Das Land wird in Zukunft eine geringere Bedeutung haben, was auch die ganze Welt so sieht, weil ihr diese »neue Nation«, dieses Imperium ein reiner Graus ist.

Als was sieht denn die übrige Welt die USA heute? Als einen muskelbepackten Idioten, der vor lauter zerstörerischer Kraft kaum noch laufen kann und dem es an Wissen und Verstand fehlt. Wirklich »große Staaten« lassen sich nicht, von Gefühlen getrieben, auf Kriege ein, sie kämpfen vielmehr um regionale Vorteile oder darum, Rohstoffe unter die eigene Kontrolle zu bringen. Im Gegensatz dazu waren die Feldzüge gegen Afghanistan und Irak jedoch Kriege, die aus Angst geführt wurden – aus Angst davor, die Welt könnte die Vereinigten Staaten für eine schwache Weltmacht halten.

Die Regierung von George W. Bush brach die Kriege willkürlich vom Zaun, weil die Gelegenheit dazu günstig schien. Nach den Anschlägen vom 11. September stand die westliche Welt zu den USA, und ihre Regierung konnte sich internationaler Unterstützung sicher sein.

Aber wie sieht diese Welt gegenwärtig das legendäre »starke Amerika«? Heute, da Afghanistan und Irak von US-gestützten Regierungen geführt werden, die in den Augen ihrer eigenen Bevölkerungen nichts als Marionetten sind, deren Puppenspieler im Weißen Haus sitzen. Was haben diese Kriege also anderes bewirkt, als dass den USA von überall her nichts als Feindschaft entgegengebracht wird und ganze Generationen voller Hass auf dieses Land schauen?

Übersetzung: Jürgen Heiser

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