Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 21.09.2019, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Chocolate con Churros

Von Maxi Wunder

Klimawandel hin oder her, auch dieses Jahr wird es einen Winter geben, etwas nasser, etwas wärmer und wie immer zu lang, soviel steht fest. Er lugt schon um die Ecke, Atemwegsinfekte und Lichtmangeldepression im Gepäck, aber noch hat er keine Eile. Noch dürfen wir uns bei ersten herbstlichen Gänsehautschauern temperaturtabelleninspirierten Langzeiturlaubsphantasien hingeben.

Von Januar bis März in den Süden – das machen viele Rentner, aber geht das auch als »Arbeitnehmer«? Besser gesagt als Arbeitskraftgeber? Ich stelle mir vor, ich sei mit einem Arzt befreundet, der bereit ist, mir mit zahlreichen Arbeitsunfähigkeitsnachfolgebescheinigungen Fluchthilfe zu leisten. Er würde mir ermöglichen, bei vollen Bezügen in Zentralvietnam oder Nordchile zu überwintern, während mich meine Kollegen im Büro verfluchen und ab und zu unter dem Mitleidsvorwand bei mir anrufen, um zu kontrollieren, ob ich nicht vielleicht statt hustend im Bett lachend am Strand liege.

Warum gerade Nordchile und Zentralvietnam? Meines Wissens sind das die zur Zeit attraktivsten Ziele mit 24/25 Grad Celsius im Problemmonat Januar. Andalusien und selbst die Kanaren sind für Hardcore-Frostbeulen keine hundertprozentig sichere Aufwärmadressen mehr. Apropos: Hat mal jemand ausgerechnet, was weniger CO2-Ausstoß erzeugt? Ein Flug um den halben Erdball und zurück – dafür bleibt die Heizung in Deutschland ein viertel Jahr lang kalt und das Auto stehen? Oder nicht fliegen, aber ein halbes Jahr volle Pulle heizen und Auto fahren?

Bis hierzu belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, kann man sich mit einer kollegenloyalen Übergangslösung behelfen: Chocolate con Churros. Das ist eine in Spanien und Lateinamerika verbreitete Süßspeise in Gestalt etwas unanständig aussehender Teigwürste, die in dickflüssige, heiße Schokoladensoße getaucht werden. Sie erhöhen die Körperwärme von innen und machen – vor allem kollektiv verzehrt – gute Laune. So geht die Zubereitung:

Für einen kleinen Haufen Churros braucht man 70 g Butter, 50 g Zucker, eine Prise Salz, 250 g Mehl, zwei Eier und einen Liter Öl zum Frittieren. Man kocht 400 ml Wasser mit Butter, Zucker und Salz kurz auf. Dann nimmt man den Topf von der Flamme, gibt das Mehl zu der heißen Flüssigkeit und vermengt es mit einem Kochlöffel zu einem glatten Teig, den man anschließend unter ständigem Rühren wieder erhitzt. Den Teig ca. eine Minute »abbrennen« lassen, bis sich eine weiße Schicht am Boden des Topfes bildet. Abkühlen lassen und in eine Rührschüssel geben, die Eier mit den Knethaken eines Mixers einarbeiten und zu einem glatten, zähen Teig verarbeiten. In einem großen Topf Frittieröl auf ca. 170 Grad erhitzen. Den Teig in einen Spritzbeutel mit Sternaufsatz füllen und ca. zehn Zentimeter lange Teigstreifen in das heiße Öl spritzen und diese frittieren, bis sie goldbraun sind. Ab und zu wenden. Mit einer Schöpfkelle rausnehmen und zum Abtropfen auf Küchenpapier legen. Nach Geschmack in einer Zimt-Zucker-Mischung wälzen. Heiße Schokolade kochen und die lauwarmen Teigwürste eintunken und ablecken, dann erst abbeißen. An Verreisen denkt man dabei nicht.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Itaia Muxaic de Ricart: Nur Wüste Maxi Wunder glaubt anscheinend, dass es in Nordchile im Winter angenehm sein könnte. Nordchile ist aber der trockenste Teil der Welt, weil es dort nie regnet. Nur einige Kleinstädte an der Küste (mit ...

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