Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 19.09.2019, Seite 15 / Medien
Andere Sicht

Zurück in die Zukunft mit der Stimme Koreas

Radiogeschichte(n): Ein Sender mit dem Hang zur Erfolgsmeldung. Auf Kurzwelle
Von André Scheer
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QSL-Karte bzw. Empfangsbestätigung des damaligen Radio Pjöngjang aus dem Jahr 1988

Die Stimme Koreas zu hören, ist wie eine Reise in die Vergangenheit – nicht nur wegen des selten gewordenen speziellen Politjargons. Wer die Programme aus Pjöngjang vollständig hören will, ist wie früher auf die Kurzwelle angewiesen. Mehrere Stunden täglich sendet der Auslandsrundfunk des Landes auf zwei Frequenzen in deutscher Sprache, außerdem in Englisch, Russisch, Chinesisch, Französisch, Japanisch, Spanisch und Koreanisch. Wer die Stimme Koreas auf der Skala gefunden hat, erkennt sie am markanten Pausenzeichen: Takten aus dem »Lied vom General Kim Il-Sung«. Es folgen die Stationsansage, die Nationalhymne und schließlich Nachrichten, die im wesentlichen der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA entstammen.

Einen Stream im Internet gibt es nicht. Auch eine Möglichkeit, sich Sendungen herunterzuladen, um sie ohne frequenztypische Störgeräusche zu hören, ist nicht vorgesehen. Auf der Homepage sind nur Audioschnipsel mit einzelnen Meldungen zu finden. Sie sind praktisch der einzige Hinweis darauf, dass wir es mit einem Radiosender zu tun haben – Sendezeiten und Frequenzangaben sucht man vergeblich. Es werden weder eine Anschrift noch eine Mailadresse angegeben.

Vor einigen Jahren kursierte auf einschlägigen Internetseiten eine solche Adresse, doch leider funktioniert sie nicht. Wie ein Blogger Ende letzten Jahres mitteilte, muss man offenbar erst einen klassischen Brief nach Pjöngjang schicken, in dem die eigene Mailadresse mitgeteilt wird. Dann kann diese im nordkoreanischen Intranet freigeschaltet werden. Erst wenn man selbst eine Mail aus Pjöngjang empfangen hat, ist der Weg frei. Ansonsten gilt auch für diese Kommunikation: Willkommen zurück in den 80ern.

Trotzdem gelingt es einigen Menschen, die Radiomacher zu erreichen. Denn im Programm gibt es eine Hörerpostsendung. Geht es nach den verlesenen Zuschriften, verfolgen die Sendungen vor allem Fans des sozialistischen Aufbaus unter der Führung des Vorsitzenden Kim Jong-Un. Und der Moderator hat eine gute Nachricht für seine Hörer: »Die Stimme Koreas wird Sie über die neuen Erfolge im sozialistischen Korea informieren.« Leider versäumt auch er es, eine Adresse anzugeben. Dabei soll sie – so jedenfalls ein weiteres Mal das Ergebnis von Internetrecherchen – recht naheliegend sein: Radio-Television Committee of the DPR of Korea, Pyongyang, Democratic People’s Republic of Korea.

Die Wurzeln der Stimme Koreas reichen zurück bis in den Oktober 1945, als Radio Pjöngjang nach dem Ende der japanischen Besatzung mit der Übertragung der Siegesrede von Kim Il-Sung offiziell den Sendebetrieb aufnahm. Erste Auslandssendungen gab es ab 1947 in chinesischer Sprache, gefolgt 1950 mit Programmen auf Japanisch. Ein deutschsprachiges Programm gibt es seit 1983.

Sendezeiten: 18.00 bis 18.57, 20.00 bis 20.57 und 21.00 bis 21.57 Uhr MESZ. Kurzwelle 9.425 und 12.015 kHz

Homepage: www.vok.rep.kp

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