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Aus: Ausgabe vom 18.09.2019, Seite 10 / Feuilleton

Lierck, Wenzel, Beck, Geick

Von Jegor Jublimov
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»Rote Rosen« satt: Rund 1.700mal Blumenhändlerin Erika (Madeleine Lierck)

Siebzig ist doch das richtige Alter für den Entschluss, sich nicht mehr dem (beinahe) täglichen Stress im TV-Atelier auszusetzen. Und 70 wird Madeleine Lierck, die sich nach der Heirat mit ihrem Kollegen Dieter Wien auch Lierck-Wien nennt, morgen. Seit 2011 trat Lierck in rund 1.700 Folgen der ARD-Telenovela »Rote Rosen« als Blumenhändlerin Erika auf. Davon hat sie sich nun verabschiedet. Seit ihrer ersten Kinorolle in dem Defa-Kultfilm »Heißer Sommer« (1968) zählte sie zu den beliebten jungen DDR-Schauspielerinnen. Vom Vater Werner Lierck hat sie den Hang zum Komödiantischen geerbt, hat aber auch beim Fernsehen (»Abschied vom Frieden«, 1977) und im Kino (»Alle meine Mädchen«, 1980) Charakterrollen gespielt, wovon die der Schauspielerin Anne in Christa Mühls Film »Generalprobe« (1982) vielleicht die schönste war.

Kurz vorm 60. Geburtstag am Sonnabend ist es für Claudia Wenzel sicherlich schön, sich an die Anfänge zu erinnern. Zu ihrem Debütfilm »Schwierig sich zu verloben« (1983) kommt die Schauspielerin morgen ins Prenzlauer-Berg-Café »Kaffe«, das seiner informativen Defa-Veranstaltungen wegen mehr als ein Geheimtipp ist. Die »kleine Schwester« eines bekannten Liedermachers studierte in Leipzig, wo sie bis 1992 zehn Jahre lang dem Schauspielhaus angehörte. Seither nimmt sie Gastverträge an und hat – begonnen mit »Zahn um Zahn« (1986–88) – in unzähligen Serien meist durchgehende Rollen gespielt, zuletzt bei »In aller Freundschaft« (2008–2018).

Ein Geschenk zum morgigen 90. Geburtstag hat sich Regisseur Walter Beck gemeinsam mit der Defa-Stiftung selbst bereitet: Seine Arbeitsbiographie »Mär und mehr« ist vorigen Monat erschienen. Beck ist ein Defa-Urgestein, begann 1948 sein Regiestudium am Defa-Nachwuchsstudio. Er ist bis heute berühmt für seine Märchenfilme wie »König Drosselbart« (1965), »Dornröschen« (1971) und »Froschkönig« (1988). Dabei sollte nicht übersehen werden, dass Beck spannende Kinderfilme über die Zeit der Bauernkriege, die mexikanische Revolution und Oktoberrevolution bis hin zum deutschen Faschismus gedreht hat, die heute noch zum geschichtlichen Verständnis beitragen können. In den letzten 30 Jahren ist Beck vor allem publizistisch (auch unter Pseudonym) aktiv geblieben.

Nicht so umfangreich, aber nachhaltig hat sich Kameramann Eberhard Geick, der heute 75 wird, in die deutsche Filmgeschichte eingeschrieben. Ihm sind wesentliche künstlerische Impulse bei Konrad Wolfs »Solo Sunny« (1980) und Frank Beyers »Der Aufenthalt« (1983) zu verdanken. Der letzte Defa-Film, den er vor seinem Weggang aus der DDR drehte, war Hannelore Unterbergs »Isabel auf der Treppe« (1984) über die Probleme chilenischer Emigranten in der DDR. Unter seinen vielen Fernseharbeiten waren auch anspruchsvolle wie 2001 Bernd Böhlichs Springer-Film »Der Verleger«.

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