Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 17.09.2019, Seite 8 / Ansichten

Empfindlich getroffen

Saudi-Arabiens Niederlage im Jemen
Von Wiebke Diehl
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Ölanlage in Saudi-Arabien nach Angriff (14.9.2019)

Für Washington und Riad ist es ein absolutes Debakel: Infolge der Drohnenangriffe der Ansarollah auf die wichtigsten Ölanlagen Saudi-Arabiens in Bakiak und Churais ist die Hälfte der täglichen Ölproduktion des Landes – fünf Prozent des weltweiten Ölangebots – eingebrochen. Wie schnell eine Reparatur möglich ist, ist völlig ungewiss. Trotz der Ankündigung des saudischen Energieministeriums und US-Präsident Donald Trumps, durch die Bereitstellung von Reserven Engpässe zu überbrücken, stieg der Ölpreis signifikant an.

Eines steht außer Frage: Der Angriff vom Wochenende war zwar als Weckruf gedacht, wie die Ansarollah deutlich machten, indem sie Angriffe auf 30 weitere hochsensible Ziele in Saudi-Arabien ankündigten und zugleich forderten, den Krieg gegen den Jemen und die Blockade des Landes zu beenden. Er ist aber zugleich eindeutiges Zeichen dafür, dass Riad den Jemen-Krieg endgültig verloren hat. Das Land kann jederzeit empfindlich getroffen werden, und zwar überall – das ist spätestens seit Sonnabend klar. Daran ändern die von der US-Regierung veröffentlichten Satellitenbilder, die eine angebliche iranische oder irakische Urheberschaft der Angriffe beweisen sollen, verbunden mit der verzweifelten Behauptung, die Ansarollah seien zu einem solchen Angriff überhaupt nicht fähig, gar nichts.

Für Riad und seine Verbündeten, die den verheerenden Angriffskrieg gegen die jemenitische Zivilbevölkerung durch direkte Beteiligung sowie Rüstungsexporte in Milliardenhöhe unterstützt haben, ist die Niederlage, die sich in den letzten Wochen bereits andeutete, mehr als nur ein Gesichtsverlust. Ja, Saudi-Arabien befindet sich auch auf einem Rachefeldzug, weil eines der Hauptziele der Ansarollah war und ist, den Jemen aus dem jahrzehntelangen Würgegriff der Golfmonarchie zu befreien. Und natürlich geht es auch um den Kampf um Vormachtstellung in der Region mit Iran. Vor allem aber geht es um eines: Öl.

Die Bab-Al-Mandab-Meeresstraße am Horn von Afrika ist einer der meistfrequentierten Schiffskorridore weltweit. Sie ist außerdem die einzige Ausweichmöglichkeit für Öltransporte der Golfstaaten, sollte die Straße von Hormus gesperrt oder infolge von Auseinandersetzungen unbefahrbar werden. Hinzu kommt, dass der Jemen laut Medienberichten und Wissenschaftlern, aber auch gemäß einem CIA-Bericht aus dem Jahr 1988 höchstwahrscheinlich über größere Ölvorkommen verfügt als alle Länder am Persischen Golf zusammen.

Riad und Washington wollen – nicht zuletzt angesichts endlicher Reserven in Saudi-Arabien – unter allen Umständen die Kontrolle über diese Vorkommen zurückerlangen, die US-Administration seit einiger Zeit auch durch direkte Verhandlungen mit den Ansarollah. Spätestens seit Sonnabend aber ist klar: Sollten solche Gespräche zustande kommen, werden es weder Washington noch Riad sein, die die Konditionen diktieren können.

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