Gegründet 1947 Donnerstag, 19. September 2019, Nr. 218
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 11.09.2019, Seite 5 / Inland
OECD-Vergleich

Unter dem Durchschnitt

OECD-Studie zu BRD: Mehr Beschäftigte mit Berufsausbildung, aber starkes Lohngefälle
Uni_Goettingen_58622408.jpg
Paritätisch an der Uni vertreten, nach dem Abschluss in Teilzeit mit weniger Einkommen: Frauen im Hochschulbereich (Göttingen, 28.10.2015)

Die Beschäftigungschancen von Erwachsenen in Deutschland mit klassischer Berufsausbildung haben sich zwischen 2005 und 2017 einer Studie der OECD zufolge erhöht. Ihre Beschäftigungsquote sei von 78 auf 84 Prozent gestiegen, geht aus der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung »Bildung auf einen Blick« der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. In den 36 Mitgliedsstaaten insgesamt sei der Anteil in diesem Zeitraum dagegen von 79 auf 78 Prozent gesunken. Trotz der verbesserten Jobchancen erzielen Erwachsene ohne Hochschulabschluss deutlich niedrigere Einkommen: Sie verdienen in Deutschland 39 Prozent weniger als Personen mit einem Bachelor-Abschluss. Im OECD-Schnitt ist das Gefälle mit 31 Prozent nicht so stark ausgeprägt.

Die Beschäftigungsquote von Erwachsenen in Deutschland mit einem Hochschulabschluss stagnierte bei 88 Prozent. Allerdings ist der Bereich der Hochschulbildung im untersuchten Zeitraum gewachsen. Jährlich gibt es durchschnittlich drei Prozent mehr Studierende in Deutschland, zwei Prozent mehr als im OECD-Schnitt. Im Jahr 2018 hatten hierzulande 32 Prozent der jungen Menschen zwischen 25 und 34 Jahren einen Hochschulabschluss, verglichen mit 24 Prozent im Jahr 2008. Damit bleibt Deutschland aber auch weiterhin unter dem OECD-Durchschnitt von 44 Prozent. Allerdings strebten im Vergleich mehr Studierende, 46 gegenüber 34 Prozent, einen Masterabschluss oder Doktorgrad an. In Reaktion auf die steigenden Studierendenzahlen wurde zwar der Bestand der Lehrenden jährlich um vier Prozent erhöht, der größte Anteil der Ausgaben für den Hochschulbereich, 43 Prozent, entfielen jedoch auf Forschung und Entwicklung. Mit dem Ergebnis, dass bei der grundlegenden Ausstattung für Studierende nicht mal der OECD-Durchschnitt erreicht wurde.

Zunächst positiv zu vermerken ist, dass Frauen in Deutschland etwa 50 Prozent der Studienanfänger in Bachelorstudiengängen stellen. In längeren Studiengängen, in denen ein Master als Erstabschluss erworben wird, sind es sogar mehr als 60 Prozent. Ihre Einkommen sind allerdings nach wie vor niedriger als die der Männer. »Das Verdienstgefälle ist in Deutschland auf höheren Bildungsstufen größer als im Durchschnitt der OECD-Länder, insbesondere unter den 35- bis 44jährigen«, heißt es in der Untersuchung. Demnach beziehen sie im Schnitt nur 72 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen. Zudem studierten Frauen häufiger in Bereichen, in denen weniger verdient würde und landeten vermehrt in Teilzeitbeschäftigungen. Im Jahr 2017 arbeiteten demnach 31 Prozent der Frauen mit Hochschulabschluss in Teilzeit, während es im Durchschnitt der OECD-Länder nur 24 Prozent waren.

Grundsätzlich kritisierte Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung, im Anschluss an die Veröffentlichung, dass die relativen Aufwendungen der BRD für Bildung gemessen an dem guten Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahrzehnten trotz absoluter Ausgabensteigerung zurückgegangen seien. Im Vergleich zur ersten Hälfte der 2010er Jahre sei der Anteil am Bruttoinlandsprodukt sogar gesunken. (Reuters/jW)

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

  • 01.06.2017

    Besetzte Rektorate

    In Belgien verhinderten Studierende die Erhöhung von Studiengebühren