Gegründet 1947 Dienstag, 22. Oktober 2019, Nr. 245
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 07.09.2019, Seite 7 / Ausland
Krieg im Jemen

Gespräche im Jemen

USA führen nach eigenen Angaben Verhandlungen mit Ansarollah. Regierung Hadi feilscht im Süden um Überleben
Von Wiebke Diehl
RTS2PB7M.jpg
Führer der südjemenitischen Separatisten versichern in Aden den Vereinigten Arabischen Emiraten ihre Unterstützung (5.9.2019)

Man führe Gespräche mit den Ansarollah, erklärte der Ministerialdirektor für den Nahen Osten im US-Außenministerium, David Schenker, am Donnerstag in Saudi-Arabien gegenüber Journalisten. Bereits in der letzten Woche hatte das Wall Street Journal berichtet, US-Regierungsvertreter versuchten, Riad zu einer Teilnahme an Geheimgesprächen mit ihren Kriegsgegnern zu überreden. Zwar wollte Hamid Assem, ein ranghoher Vertreter der im Westen meist »Huthis« genannten Ansarollah, dies gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP weder bestätigen noch dementieren. Allein die Worte Washingtons seien aber ein »großer Sieg« und bewiesen, dass man alles richtig gemacht habe.

Das von Washington ausgesendete Signal ist in der Tat beachtlich: Zum letzten Mal hatten direkte Gespräche zwischen den Ansarollah und der damaligen Obama-Administration im Juni 2015 stattgefunden. Damals sollten die jemenitischen »Rebellen« zur Teilnahme an von den Vereinten Nationen initiierten »Friedensgesprächen« bewegt werden – mit dem Ziel einer bedingungslosen Kapitulation der als fünfte Kolonne Teherans bezeichneten nationalen Widerstandsbewegung, die für eine von Riad unabhängige Entwicklung des Landes, für die Teilhabe aller jemenitischen Bevölkerungsgruppen und gegen Korruption angetreten war. Auch nach viereinhalb Jahren Angriffskrieg einer von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition kontrollieren die Ansarollah die bedeutenden Bevölkerungszentren im Nordwesten des Landes und verfügen ganz im Gegensatz zum international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi über immensen Rückhalt in der Bevölkerung.

So hat denn auch die Initiative Washingtons, als deren Ziel die Beendigung des Kriegs im Jemen angegeben wird, wenig damit zu tun, dem unermesslichen Leid der jemenitischen Zivilbevölkerung etwas entgegenzusetzen. Noch im April stoppte Donald Trump per präsidialem Veto einen von beiden Parlamentskammern getragenen Beschluss, jegliche US-Unterstützung für die Kriegskoalition – die neben Rüstungsexporten auch die Weitergabe geheimdienstlicher Informationen, logistische Unterstützung und die Entsendung von Soldaten beinhaltet – zu beenden. Seitdem von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützte südjemenitische Separatisten im letzten Monat Aden, die provisorische Hauptstadt der Regierung Hadi, überrannten, befinden sich Riad und seine Verbündeten in Washington allerdings in einer Position der Schwäche. In einem letzten verzweifelten Versuch, ein endgültiges Auseinanderbrechen der Kriegskoalition zu verhindern, versucht Riad seit Dienstag, zwischen den sich im Südjemen weiterhin bekämpfenden Konfliktparteien zu vermitteln, während Abu Dhabi sich zwar offiziell vehement zu seiner Partnerschaft mit Saudi-Arabien bekennt, zugleich aber den Separatisten Luftunterstützung gegen die Truppen Hadis leistet.

Die Ansarollah haben die gewonnene Zeit indes genutzt, ihre Herrschaft zu konsolidieren und Regierungsinstitutionen genau wie diplomatische Beziehungen zu anderen Staaten auf- und auszubauen. Vor allem aber haben ihre weit in saudisches Gebiet hineinreichenden Drohnen- und Raketenangriffe, besonders die auf den Dschaisan-Flughafen und das 1.000 Kilometer entfernte Schaiba-Ölfeld, wo täglich etwa eine Million Fässer Rohöl gefördert werden, sie endgültig als bestimmende Kraft in der Region etabliert, die militärisch in der Lage ist, die saudische Ölproduktion empfindlich zu stören, wenn nicht gar lahmzulegen.

Ähnliche:

  • Südjemenitische Separatisten am 10. August 2019 auf einem Panzer...
    14.08.2019

    Eskalation im Jemen

    Mit der Besetzung Adens durch Separatisten treten Differenzen innerhalb der Kriegskoalition ganz offen zutage
  • Der Hafen von Aden hat für die Kriegsparteien strategische Bedeu...
    14.08.2019

    Zerrüttete Allianz

    Bündnis zwischen Riad und Abu Dhabi im Jemen-Krieg scheint irreparabel zerbrochen

Mehr aus: Ausland