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Aus: Ausgabe vom 05.09.2019, Seite 7 / Ausland
Hongkong und USA

Zu Gast bei Freunden

»Große Tradition im Kampf gegen Kommunismus«: US-Delegation Ultrakonservativer besucht »Aktivisten« in Hongkong
Von Jürgen Heiser
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»Präsident Trump. Bitte befreie Hongkong!« – Proteste in Hongkong am 31. August 2019

In der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong verweilen seit dem gestrigen Mittwoch prominente Gäste aus den USA. Stolz verbreitete die American Conservative Union (ACU) die Nachricht über den Grund ihres Besuchs: Sie schalte sich in die Proteste in der Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China ein. »Auf Wunsch der studentischen Führer der Freiheitsbewegung in Hongkong« sei eine Delegation der ACU in der Metropole eingetroffen. Angeführt von ihrem Vorsitzenden Matthew »Matt« Schlapp und Exekutivdirektor Daniel Schneider wollen sie sich »aus erster Hand ein Bild von den Ereignissen machen und den Studenten in Solidarität zur Seite stehen«.

Die ACU hat sich in den USA mit der jährlich im Februar stattfindenden »Conservative Political Action Conference« (CPAC) einen Namen gemacht. Dieses sogenannte Hochamt der Ultrakonservativen und salonfähigen Neonazis des Landes hat wesentlich dazu beigetragen, den Rechtsruck in den USA zu forcieren und Donald Trump zum US-Präsidenten zu küren. »ACU und CPAC haben eine große Tradition im Kampf gegen Kommunismus und Sozialismus und im Zusammenbringen von Studenten«, brüstete sich Schlapp gestern über seinen Presseverteiler. Diese Fähigkeiten würden »jetzt in Hongkong dringend benötigt«. Schließlich stehe es »im Epizentrum des Kampfs zwischen Freiheit und Autoritarismus«, so Exekutivdirektor Schneider.

Dazu waren die maßgeblich von der CIA-Frontorganisation John Birch Society und der National Rifle Association gesponserten ACU-Anführer zusammen mit Vertretern von CPAC-Ablegern aus Japan und Australien angereist. Die »Japanese Conservative Union« hatte zu ihrer am vergangenen Wochenende in Tokio stattfindenden Konferenz den »Studentenführer« Andy Chan Hotin zu einem Vortrag eingeladen. Chan, laut Agenturmeldungen »Anführer der verbotenen Unabhängigkeitspartei Hong Kong National Party«, war wie die ebenfalls von den westlichen Konzernmedien zu »international bekannten Bürgerrechtlern« erklärten Joshua Wong Chifung und Agnes Chow vor dem Wochenende vorübergehend von der Polizei am internationalen Flughafen Hongkongs festgenommen worden, als er nach Japan fliegen wollte. Laut dem Nachrichtenportal Hong Kong Free Press wurde ihm bei seiner kurz darauf erfolgten Freilassung eröffnet, ihm werde »die Teilnahme an Krawallen und ein tätlicher Angriff auf einen Polizisten« vorgeworfen. Wenig später saßen Schlapp und Schneider in ihrem Hotel mit Chan einmütig zusammen, der schrieb als »Patriot Andy Chan Ho Tin« über den Kurznachrichtendienst Twitter: »Hatte einen netten Austausch mit den US-Konservativen.« Und dankte ihnen brav, dass sie sich »um Hongkong kümmern«.

Während ihres auf mehrere Tage angelegten Aufenthalts in Hongkong planen die »Kümmerer« intensive Gespräche »mit Wirtschaftsführern und Anwälten, die von den Behörden festgehaltene und vom autoritären kommunistischen Regime in China unter Druck gesetzte Studenten vertreten« würden, erklärte Schlapp. Unmittelbar nach ihrer Ankunft beteiligte sich die Delegation der Ultrakonservativen direkt an den derzeit täglich inszenierten Protesten, wie von ihnen ins Netz gestellte Videos zeigen. »Die American Conservative Union ist hier, weil wir die Menschen dabei unterstützen, die Rechte auszuüben, die Gott ihnen gegeben hat«, so Schneiders Kommentar vor laufender Handykamera.

Als Gastgeschenk hatte die Delegation nach eigenen Worten an die »Anführer der Proteste« eine größere Anzahl Regenschirme überreicht, »das Symbol der Proteste in Hongkong«. Bedruckt sind die Schirme mit Namen und Logo von ACU und CPAC, ergänzt durch »Hong Kong«. Das Besondere seien jedoch die chinesischen Schriftzeichen unter dem Logo, »entworfen von einem der Geldgeber der Proteste«. Sie bedeuteten »Moralische Macht«, und die Delegation hoffe, so Schlapp, »die Menschen in Hongkong zu inspirieren, ihren Kampf für die Freiheit fortzusetzen«.

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