Gegründet 1947 Donnerstag, 19. September 2019, Nr. 218
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 04.09.2019, Seite 8 / Ansichten

Zusammenschweißerin des Tages: Ines Geipel

Von Arnold Schölzel
Anti_Doping_Preis_20_59632513.jpg
Ines Geipel

Die ehemalige DDR-Leichtathletin, Schriftstellerin und Professorin an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Ines Geipel schreibt Sätze wie: »Die Kriegskinder des Ostens, heute um die 80, haben Hitler und Stalin in den Knochen.« (FAZ vom 14. August). Der ostdeutsche Staat sei in den 50er Jahren eine »Synthese zwischen eingekapseltem Hitler und neuer Stalin-Diktatur« gewesen. Frau Geipels Geschäftsidee ist, im Westen nichts Neues über den Osten zu sagen, aber dabei stets Hitler und Stalin zu erwähnen. Das reicht für den Expertenstatus.

Am Dienstag erklärte sie im FAZ-Interview den »Trend zum toxisch-braunen Osten«, der sich in Sachsen und Brandenburg manifestiert habe. Sie vermisse nun das Wort der »westdeutschen Intellektuellen« zum ostdeutschen Giftsonderweg. Es gehe »schließlich um unsere gemeinsame Geschichte eines einst geteilten Landes«. Da gilt: Es ist nicht nur die gemeinsame Sprache, die Ost- und Westdeutsche trennt. Hitler und Stalin sollen nach Frau Geipel einerseits im Osten bis heute umgehen, andererseits – »gemeinsame Geschichte«? Aus dem Behauptungssalat will Frau Geipel mit einem konstruktiven Vorschlag führen: »Was uns fehlt, ist ein Einheitsnarrativ.« Was auch immer ein »Narrativ« ist, mit »Einheit« ist alles staatsfromm geritzt. Dabei gehe es darum, so Ines Geipel, »aufzuzeigen wie sich der Nationalsozialismus im Inneren mit der DDR verschweißen konnte.« Der Preis fürs »Wegblinzeln wäre unermesslich hoch«. In den 90er Jahren hätten im Osten die Flüchtlingsheime gebrannt. Dort liegen für sie wahrscheinlich auch Mölln und Solingen, wo 1992 und 1993 acht Menschen durch faschistische Brandstiftung ums Leben kamen. Helmut Kohls Pressesprecher begründete damals dessen Fernbleiben von der Trauerfeier für die Toten von Mölln, die Bundesregierung verfalle nicht in »Beileidstourismus«. Wird im Einheitsnarrativ weggeblinzelt.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Michael Haugk: Einzige Qualifikation Die frühere Spitzensportlerin in der DDR und heutige Professorin, gar noch Schriftstellerin, gefällt sich vor allem darin, von Zeit zu Zeit mit kruden Weisheiten über die ach so schlimme DDR zu glänze...

Mehr aus: Ansichten