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Aus: Ausgabe vom 30.08.2019, Seite 5 / Inland
Erwerbsarbeit

Ausgelaugt wegen Überstunden

DGB-Studie: Auszubildende müssen oft mehr arbeiten als gesetzlich erlaubt
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Auszubildende in einer Ausbildungswerkstatt der Deutschen Bahn

Mehr als ein Drittel der für eine Studie befragten Auszubildenden muss regelmäßig Überstunden machen. Fast 13 Prozent bekommen demnach für die Überstunden weder eine Vergütung noch einen Freizeitausgleich. Das sei ein »klarer Verstoß gegen das Berufsbildungsgesetz«, kritisiert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in seinem am Donnerstag vorgestellten »Ausbildungsreport 2019«.

Obwohl es Auszubildenden unter 18 Jahren verboten ist, mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, müsse dies fast jeder achte Jugendliche (zwölf Prozent) trotzdem tun. Im Vergleich zum Vorjahr sei dieser Anteil sogar leicht gestiegen.

Mehr als ein Viertel der Befragten habe erklärt, dass sie sich nach der Ausbildung nicht mehr richtig erholen können. »Eine Berufsausbildung darf aber nicht zu Überlastungssymptomen führen, die krank machen können«, erklärte die Gewerkschaft.

Wie der Ausbildungsreport weiter festhält, sank erneut die Zufriedenheit der Lehrlinge mit ihrer Ausbildung. Sie lag zuletzt »erstmals unter 70 Prozent«. Das sei zwar grundsätzlich noch immer ein guter Wert, allerdings habe die Zufriedenheit vor zehn Jahren noch bei 75,5 Prozent gelegen, gab der DGB zu bedenken.

Die Digitalisierung spiele noch keine ausreichend große Rolle. Zwar hätten fast 80 Prozent der Befragten angegeben, dass Digitalisierung und Automatisierung in ihrer Ausbildung wichtig seien. Allerdings fühlten sich nur gut 54 Prozent darauf vorbereitet, entsprechende Anwendungen und Medien auch zu nutzen. »Berufsschulen und Betriebe müssen gleichermaßen besser werden«, erklärte der DGB. Die Mittel aus dem Digitalpakt von Bund und Ländern müssten auch an den beruflichen Schulen ankommen. Dem DGB zufolge bewerteten nur rund 35 Prozent der Auszubildenden die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule als »gut« oder »sehr gut«, knapp 33 Prozent beurteilten sie mit der Note »ausreichend« oder »mangelhaft«. Elektronisches Lernen und digitale Endgeräte spielen nach Ansicht der Gewerkschafter »nur eine geringe Rolle in der Berufsausbildung«. (AFP/jW)