Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 24.08.2019, Seite 1 / Inland
Nach Anschlag auf Breitscheidplatz

Neues Video zu Amri-Attentat

Untersuchungsausschuss des Bundestages will Beweismaterial auswerten
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Bekannte Perspektive: Aufnahmen wie diese kursierten bereits kurz nach dem Attentat. Das nun vorliegende Video zeigt einen anderen Blickwinkel (Berlin, 20.12.2016)

Unmittelbar nach dem Anschlag des mutmaßlichen Haupttäters Anis Amri auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 (jW berichtete) ist ein Video aufgenommen worden, das nun den Untersuchungsausschuss des Bundestages vor neue Fragen stellt. Um dieses und anderes Material sichten zu können, mussten die Ausschussmitglieder eineinhalb Jahre warten, wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg am Freitag morgen berichtete. Dem Sender sowie dem ARD-Magazin »Kontraste« liegt demnach ein 34 Sekunden langes Video vor. Es sei vom gegenüberliegenden Bikini-Haus aus 20 bis 30 Metern Entfernung zum Tatort und unter schlechten Lichtverhältnissen sowie teilweise stark verwackelt aufgezeichnet worden.

Seitens der Bundesanwaltschaft habe es geheißen, Videos seien »zeitnah« dem Ausschuss zur Verfügung gestellt worden, wie der RBB berichtete. Dabei hatte der Amri-Untersuchungsausschuss die Ermittlungsbehörde bereits im März 2018 zur Bereitstellung von Videobeweismitteln aufgefordert. »Dass das erst jetzt kommt, irritiert maximal«, sagte Ausschussmitglied Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen) dem Sender.

In den Bericht auf rbb24.de vom Freitag eingebettet, wurde das besagte Video nun veröffentlicht. Darauf ist der bereits in den Weihnachtsmarkt gelenkte Lkw zu sehen. Es zeigt mehrere Personen, von denen einige sich dem Lastwagen nähern. Laut RBB gelte es zu ermitteln, ob in der Aufzeichnung auch Anis Amri zu sehen ist, der in einem weiteren Video des Attentats bereits identifiziert worden sei. Auch könnten einige der Menschen in dem nun veröffentlichten Video Komplizen Amris sein. »Es gibt seit langer Zeit gravierende Zweifel daran, ob Anis Amri ein Einzeltäter war, und dieses Video muss natürlich unter diesem Gesichtspunkt ausgewertet werden«, so der Grünen-Abgeordnete gegenüber dem Sender. Diesem teilten Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt laut Bericht schriftlich mit: »Aus der Aufzeichnung haben sich keine wesentlichen verfahrensrelevanten Erkenntnisse oder Ermittlungsansätze ergeben.« (jW)