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Aus: Ausgabe vom 21.08.2019, Seite 10 / Feuilleton

NPT, Sturm, Frank

Von Jegor Jublimov
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Auch schon 70 Jahre alt, der Nationalpreis der DDR (im Bild: Staatsakt in der Deutschen Staatsoper zur Verleihung der Nationalpreise 1951)

Eine der höchsten Auszeichnungen der DDR, der Nationalpreis, wurde am Sonntag vor 70 Jahren erstmals verliehen, noch vor DDR-Gründung. Der Beschluss für die Schaffung des Preises erging durch die von der Sowjetischen Militäradministration für die SBZ eingesetzte Deutsche Wirtschaftskommission, die am 7. Oktober 1949 in die Arbeit der ersten, noch provisorischen DDR-Regierung mündete. Die vom Präsidium des Deutschen Volksrats unter Wilhelm Pieck vergebene Auszeichnung hieß damals »Deutscher Nationalpreis im Goethejahr 1949«. Die Ehrungen wurden bis 1989 in drei Kategorien für hervorragende Arbeiten auf verschiedenen Gebieten, Einzelleistungen wie auch Kollektivtaten verliehen. Am wichtigsten waren sicherlich die Preise für Entdeckungen und Erfindungen, die öffentlichkeitswirksamsten die für Kunst und Literatur. Hier erhielt den Nationalpreis 1949 u. a. der Autor Heinrich Mann. Die Preise bestanden nicht nur aus Orden und Urkunde, es hingen ein ordentliches (gestaffeltes) Sümmchen und viele Vergünstigungen daran. Überliefert ist, dass ein Schauspieler seinen Regisseur im Atelier anherrschte: »Das muss ich mir nicht bieten lassen als NPT!«

Dem seit 1956 in der DDR wirkenden Wiener Schauspieler und Kommunisten Peter Sturm, der am Samstag vor 110 Jahren als Josef Dischel geboren wurde und sich während des Schauspielstudiums bei Raoul Aslan sein Pseudonym wählte, verlieh man zwar keinen Nationalpreis, aber immerhin den Kunstpreis der DDR. Sturms stilles, oft verschmitztes Spiel war gespeist durch die Lebenserfahrung des jüdischen Künstlers, der die Lager Dachau, Buchenwald und Drancy durchlitten und 1945 den Todesmarsch der Häftlinge von Auschwitz nach Buchenwald überlebt hatte. Als Häftling Rose in Frank Bey­ers Buchenwald-Film »Nackt unter Wölfen« beeindruckte er tief, als Wiener Kommissar Müller in Rudi Kurz’ Fünfteiler »Die Spur führt in den 7. Himmel« liebte ihn das Pu­blikum. Kurz vor seinem Tod 1984 gab er anrührend einen alten Clown in der DFF-Serie »Bühne frei«.

In der Jan-Koplowitz-Verfilmung »Hotel Polan und seine Gäste« trat neben Sturm 1982 ein junger Schauspieler auf, der mit Hauptrollen in den Defa-Filmen »Wer reißt denn gleich vorm Teufel aus« und »Sabine Wulff« bekannt geworden war. Hans-Joachim Frank spielte am Berliner Ensemble den Pawel in Brechts Adaption von Gorkis »Die Mutter«. Die Schauspielerlaufbahn beendete er 1989 und gründete im selben Jahr die Truppe »Theater 89«, mit der er viele lustvolle und aufklärende Inszenierungen schuf. Nach Verlust der Berliner Spielstätte bespielt die Truppe, deren künstlerische Triebkraft Frank ist, zahlreiche Auftrittsorte in Brandenburg und Berlin. Der Chef wurde vorgestern 65 und macht hoffentlich noch lange weiter.

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