Gegründet 1947 Montag, 26. August 2019, Nr. 197
Die junge Welt wird von 2208 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 15.08.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto Leserbriefe.png

Schockstrategie

Zu jW vom 7.8.: »Geschichtspolitik für ­Fortgeschrittene«

Im Kommentarbereich zum betreffenden Welt-Artikel des Herrn Sven Felix Kellerhoff sieht ein Leser Parallelen zu den Anschlägen des 11. September 2001 und fragt, was dazu möglicherweise alles noch herauskomme. Herr Kellerhoff sieht auch Parallelen, jedoch völlig andere. Seiner Ansicht nach sind Reichstagsbrand wie auch »9/11« aufgeklärt (…). Nur Irre würden hier noch offene Fragen sehen. Solch eine Haltung kann bei einem Autor der Welt nicht überraschen. Aber die tatsächlichen Parallelen zwischen beiden Ereignissen sind meiner Ansicht nach so offensichtlich wie beängstigend, abgesehen von der unterschiedlichen Größenordnung der Anschläge. Beides wurde im Sinne der Schockstrategie genutzt, um totalitäre Machtstrukturen auszubauen, Bürgerrechte abzuschaffen und eine allgemeine Kriegsmobilisierung bzw. den direkten Überfall auf ein anderes Land zu rechtfertigen. Insofern sind sowohl das dröhnende Schweigen von Spiegel und Co. wie auch die wütenden Attacken eines Herrn Kellerhoff ein Hoffnungszeichen, dass hier etwas in Bewegung kommt in der Geschichtsschreibung und dass die Lügen vielleicht doch nicht in Stein gemeißelt sind.

Dirk Schwarz, per E-Mail

Kein Sprungbrett

Zu jW vom 8.8.: »Roter Stern über Wien«

Christian Kaserer irrt, wenn er meint, dass ich im KPÖ-eigenen Globus-Verlag »erste Publikationsmöglichkeiten« gefunden hätte. Jedenfalls ist mir nicht bekannt, dass dort je ein Text von mir publiziert wurde. Wenn doch, dann wäre dies ohne mein Wissen, Wollen oder Zutun erfolgt. Die gewählte Formulierung trifft auch nicht auf Elfriede Jelinek zu, die zur Zeit ihres Bekenntnisses zur KPÖ als Schriftstellerin schon so bekannt war, dass Veröffentlichungen von ihr im Globus-Verlag eher diesem als ihr Möglichkeiten – bezüglich Absatz, Lesern und Renommee – eröffneten.

Erich Hackl, per E-Mail

Großes Aufatmen

Zu jW vom 10./11.8.: »Willkommene Drohung«

Der Botschafter der USA in Deutschland, Mr. Richard Grenell, hat vorgeschlagen, einen Teil der US-Streitkräfte aus Deutschland abzuziehen. Nur leider – in die falsche Richtung! Nicht nach Polen, sondern westwärts über den Atlantik in die USA sollten Sie, Mr. Grenell, Ihre Soldaten begleiten. Und warum so bescheiden? Ziehen Sie die gesamten US-Streitkräfte mit allen Waffen aus Deutschland ab. Schließen Sie die Ramstein Air Base! Vergessen Sie Ihre Atombomben in Büchel nicht! Unsere eigenen deutschen Kriegstreiber spielen schon viel zu lange an deren Zündern herum! Wo wir schon dabei sind: Ihre Kernwaffen in vier weiteren europäischen Staaten, die sich der »nuklearen Teilhabe« an US-amerikanischer Menschheitsvernichtung »erfreuen«, nehmen Sie bitte ebenfalls mit in die USA zurück! Ebenso natürlich Ihre Abfang-Angriffsraketen in Polen und Rumänien! Glauben Sie mir, nicht nur Ihre amerikanischen Steuerzahler würden aufatmen, sondern auch die europäischen! In Deutschland würden alle politischen Parteien und die Regierung das gewonnene Geld sofort in Umweltschutzprojekte investieren! Ein allgemeines Aufatmen würde durch die USA und durch Europa gehen: dem Atomtod noch mal von der Schippe gesprungen! Endlich Frieden! Eine Gefahr wäre vorüber! Die europäischen Völker könnten wieder vernünftig miteinander reden, ihre gegenseitigen Sanktionen aufheben, Handel und Touristik, Kultur- und Wissenschaftsaustausch würden aufleben! Ehe ich es vergesse, Mr. Grenell: Sobald Sie diese Zeilen lesen, geben Sie Ihren Befehl zum Abzug aller US-Streitkräfte sofort! Denn am nächsten Tag sind Sie vielleicht kein Botschafter mehr! Wer zur rechten Zeit das Richtige tut, dem gehört der Dank der Menschheit!

Hans-Helmut Heinrich, per E-Mail

Gegen die Mehrheit

Zu jW vom 10./11.8.: »Willkommene Drohung«

Man muss sich fragen, wem eigentlich US-Botschafter Richard Grenell mit einem Abzug der US-Truppen aus der BRD droht. Der deutsche Steuerzahler kann es jedenfalls nicht sein. Denn einen großen Teil der Besatzungskosten trägt nicht, wie Grenell irrtümlich behauptet, der US-Steuerzahler. Vielmehr sind die erforderlichen Ausgaben für das hiesige US-Militär laut Süddeutscher Zeitung unter anderem in den 3.000 Seiten des Bundeshaushaltes »gut versteckt«. Zur Zeit belaufen sich die gesamten Kosten der BRD laut Bundeswehr-Journal auf mindestens eine Milliarde US-Dollar jährlich. Eine Summe, die man gerne vor der Öffentlichkeit verschleiert. Nicht unbedingt Bares wechselt daher über den großen Teich, sondern es werden der US-Armee Grundstücke bereitgestellt, Infrastruktur und Bau- oder Umzugsmaßnahmen durch Bund, Länder oder Kommunen finanziert, oder es wird auf Steuern und Zolleinnahmen bei US-Soldaten und den Zivilbeschäftigten der Armee verzichtet. (…) Aber warum lassen sich die Herrschenden in Berlin dazu erpressen? Das hat letztlich mit der Staatsräson der BRD zu tun. Die BRD, so der bürgerliche Historiker Arnulf Baring (1932–2019), verdanke ihre Entstehung »dem Bruch zwischen Moskau und dem Westen«. Ihre Bedeutung für den Westen stieg und fiel mit der »Intensität des Kalten Krieges«. Damit unauflöslich verbunden war die reaktionäre Politik Konrad Adenauers. Denn nur mit der Hilfe des Westens konnte er gegen den Willen der Mehrheit der Deutschen den Bruch des Potsdamer Abkommens und die Remilitarisierung durchsetzen. Oder, wie es Baring formuliert: Das »Misstrauen gegen das eigene Volk« zwang Adenauer, die BRD »so fest wie nur möglich« mit dem Westen, sprich: den USA, zu verbinden.

Stephan Jegielka, per E-Mail

Zweierlei Maß

Zu jW vom 12.8.: »Reeder offen für ­Militäreinsatz am Golf«

Ralf Nagel, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder, sagt: »Die Angriffe auf Schiffe« im Persischen Golf »rühren am Nerv der gesamten zivilen Handelsschiffahrt«. Nur eine Frage, Herr Nagel: Wie lautete Ihr Kommentar zur Festsetzung des iranischen Supertankers »Grace 1« und zur Inhaftierung seines Kapitäns und des Ersten Offiziers durch Großbritannien?

Istvan Hidy, per E-Mail

Mr. Grenell, geben Sie den Befehl zum Abzug aller US-Streitkräfte sofort! Wer zur rechten Zeit das Richtige tut, dem gehört der Dank der Menschheit!