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Aus: Ausgabe vom 14.08.2019, Seite 16 / Sport

Im Medaillentaumel

Von André Dahlmeyer
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Sieht so schwierig aus, wie es ist: Die 18jährige Augustina Roth gewinnt bei den 18. Panamerikanischen Spielen im BMX-Freestyle Bronze

Einen wunderschönen guten Morgen! Bei den 18. Panamerikanischen Spielen in Lima, die Sonntag zu Ende gingen und an denen 6.680 Sportler aus 41 Ländern partizipierten, die in 420 Wettkämpfen in 39 Sportarten gegeneinander antraten, gewannen die argentinischen »Gauchas« und »Gauchos« nach einem traumhaft goldenen Sonnabend mehr als hundert Medaillen. 32mal Gold, 35mal Silber und 34mal Bronze. Kuba gewann insgesamt drei Medaillen weniger, aber eine goldene mehr, deshalb konnten die Karibik-Heinis uns im Medaillenspiegel anpissen. Vor Argentinien lagen am Ende die USA, Brasilien, Mexiko und Kanada. Die Gastgeber schafften immerhin 39 Medaillen, davon elf goldene.

Es war die 18jährige Agustina Roth, die mit Bronze im BMX-Freestyle die 100. einsackte, am Ende waren es 101, weil José Torres in der gleichen Klasse noch eine Silbermedaille drauflegte. Besser war Argentinien außerhalb Argentiniens noch nie. Roth, die bereits bei den Olympischen Jugendsommerspielen vergangenes Jahr in Buenos Aires die Goldmedaille gewinnen konnte, blieb mit 71 erreichten Punkten im Finale hinter Hannah Roberts (USA) und Macarena Pérez (Chile) zurück. Wenn sie nicht wider Erwarten auf Briefmarkensammeln oder Hundepulloverstricken umsattelt, sind von ihr zukünftig wohl noch einige Schmankerl zu erwarten.

Nur zweimal gewann Argentinien mehr Medaillen bei den Panamericanos: 1951 in Buenos Aires waren es 159 und 1995 im peronistischen Vorzeigesommerkurort Mar del Plata 154.

In Argentinien wird gerade der Profi­fußball bei den Frauen eingeführt. Diverse Kickerinnen vom Papstklub San Lorenzo de Almagro und von River Plate haben bereits Verträge unterschrieben. Die kriegen künftig Geld! In der Gesellschaft kommt das nicht bei allen gut an. Viele Dumpfbacken gehören der KKK-Fraktion an: Kinder-Küche-Kirche. Es dürfte nicht verwundern, dass es sich dabei um Pimmelträger handelt. Das Abschneiden unserer Auswahl bei der Frauen-WM bei den Asterixen verbesserte mein Lebensgefühl. Argentinien gewann nicht nur erstmals Punkte bei einer WM, sondern schoss auch die ersten Tore, sogar gleich drei. Ich wähnte mich im Rugby-Himmel von 2007. Klar, diese WM war damals auch bei den Frankreichern.

Auch die argentinischen Damen spüren diesen selbstproduzierten Rückenwind. Bei den Panamericanos erreichten sie sensationell das Endspiel gegen die Profikickerinnen aus Kolumbien. Blöderweise waren die »Cafeteras« in den Penals (6:7), ausgetragen aus einer Entfernung von zwölf Schritten, am Ende besser. Dennoch, das erste Silbermetall für Argentinien.

Kolumbien hatte den Ball vorsichtiger behandelt, Argentinien Angst vorm Übertreten der Mittellinie. Als die Gauchas schließlich ihre Angst vergaßen, stieß Catalina Usme für Kolumbien per Kopf zu. Der Ausgleich für Argentinien fiel nach einer Standardsituation: Freistoß Aldana Cometti, und Agustina Barroso scheitelte das Ding zum Ausgleich in den Kasten. In der zweiten Halbzeit waren beide Teams physisch am Ende. Verlängerung. Da flog bei den Gauchas Milagros Menéndez mit Doppelgelb vom Platz. Die ersten zehn Penals klingelten allesamt. Dann schoss Gabriela Chávez, Außenverteidigerin von River Plate, ihren Strafstoß in die Wolken. Für die Cafeteras war es ein hübscher Erfolg, nachdem sie das Finale von 2015 in Toronto gegen Brasilien per Goleada verloren hatten.

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