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Aus: Ausgabe vom 14.08.2019, Seite 8 / Ansichten

Renditewunder des Tages: Deutsche Wohnen

Von Steffen Stierle
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Zentrale der »Deutsche Wohnen« in Berlin

Von nichts kommt nichts. Wer aber über 100.000 Wohnungen im Investorenparadies »Berliner Mietenmarkt« sein eigen nennen darf, dem sind satte Renditen gewiss. Kein Wunder also, dass die Deutsche Wohnen (DW) am Dienstag einmal mehr ein dickes Plus vermelden durfte. Um 13,1 Prozent überstieg der Gewinn der ersten sechs Monate 2019 jenen des Vorjahreszeitraums.

Das goldene Zeitalter für die Aktionäre geht also weiter. Begonnen hat es 2012. Seither hat der Konzern einer Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung vom März zufolge seinen Wohnungsbestand in Berlin mehr als vervierfacht. In Sachen Renditen lässt der Marktführer die Konkurrenz seither hinter sich. Gut geht es auch dem Geschäftsführer, der sich dank der Gunst der Aktionäre über ein Jahresgehalt von 2,2 Millionen Euro freuen darf.

Der Schlüssel zum Erfolg: Kräftige Mieterhöhungen, zuletzt von 5,9 Prozent im Jahr, getoppt nur von Vonovia, der Nummer zwei auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Außerdem wird fleißig modernisiert. Um 21 Prozent seien die Investitionen in den Bestand gestiegen, meldete die DW nicht ohne Stolz. Mit Instandhaltung hat man es hingegen nicht so sehr. Bis zur Luxussanierung lässt man die Häuser vergammeln.

Doch auch dunkle Wolken wurden am Horizont gesichtet: Enteignungsforderung und Mietendeckel. Der jüngste PR-Gag – ein fadenscheiniges und inhaltsleeres »Versprechen an unsere Mieter« – wird alleine nicht reichen, um die Wogen zu glätten. Doch die Konzernstrategen haben längst neue Ideen ausgesponnen. So soll verstärkt in Pflegeheime investiert werden, wo es bei den Preisen noch Luft nach oben gibt. Und da die hohen Mieten auch zu hohen Immobilienpreisen führen, ist für Vorstandschef Michael Zahn »total klar, dass es mehr und mehr Sinn macht, die Rolle des Verkäufers zu übernehmen.« Der Mann ist sein Geld wert.

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