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Fern von wo

Von Rafik Will
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»Zufluchtsort Shanghai«: Skulptur von He Ning im dortigen »Jewish Refugees Museum«

Anders als Gitarren oder Geigen bekommt man Klaviere nicht so ohne weiteres vom Fleck. Sie sind deshalb oft mit Räumlichkeiten verknüpft, Teil von deren Geschichte. Das Künstlerduo Merzouga (Eva Pöpplein und Janko Hanushevsky) hat für sein Stück »Withering Sounds« (Yleisradio, Finnland 2018; Di., 20.10 Uhr, DLF) drei Klaviere einer näheren Untersuchung unterzogen. Eines der »Zeitreise-Instrumente« befindet sich im Brecht-Haus im dänischen Svendborg.

Neben Mariola Brillowska, Eugen Egner und einigen anderen hat auch Till Müller-Klug die Idee der Gedankenübertragung mittels Radiowellen literarisiert. Das zeigt sein Hörspiel »Die Gedankensenderin« (DLF/ORF 2002; Mi., 19 Uhr, WDR 3). Die Hauptfigur schließt sich hier mit den Gerätschaften eines hobbyfunkenden Freundes kurz und lässt die zugeschaltete Hörerschaft an einem Trip teilhaben.

Hermann L. Gremlizas Konkret-Kolumne heißt im August »Nazis to be« und wird wie immer vom Autor in der Radiosendung »Konkret goes FSK« (Mi., 22 Uhr, FSK) gelesen. Sie beschäftigt sich unter anderem mit Adornos »Studien zum autoritären Charakter«. Der Schriftsteller Tomer Gardi fragt sich tags darauf, »Wie die Blinden träumen« (SWR 2019; Do., 21 Uhr, Bayern 2) und auch, wer die Kategorien für die Erfahrungsvermittlung festlegen sollte. Ein Hörspiel aus dem Schlaflabor.

Carl Stumpfs »Tonpsychologie« wird von Frieder Butzmann in »Let’s do the Stumpfkonsonanz« (DLF Kultur 2018; Fr., 0 Uhr, DLF Kultur) aufgegriffen. Ausgehend von dem theoretischen Werk über die Vermittlung von Klängen hat der legendäre »Krachmacheur« verschiedene Übungen für einen Chor entworfen, die zum Mitmachen einladen, ohne jedoch dazu Gelegenheit zu bieten.

Zwei Sendungen, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit Feminismus beschäftigen, sind »HoPo Express #81: Das politische Subjekt Frau – Was kann ein materialistischer Feminismus leisten?« (Fr., 8 Uhr, FSK) sowie auf der gleichen Welle am Montag um 20 Uhr »Recyclingexperimental: Keine Demokratie … ohne feministische Medien?!« Letztere widmet sich dem heutigen Angebot an feministischen Publikationen und erörtert deren Vorgeschichte.

Kommunikationsmechanismen von Tieren sind ein interessantes Forschungsgebiet. Frank Kaspar hat für sein Feature »Die Ansichten der Arten« (SWR 2009; Fr., 20 Uhr, SRF 1) recherchiert, was die Wissenschaft über tierische Verständigung weiß und wie sich die Literatur mit diesem Thema beschäftigt hat. Ein Stück über Jenseitsvorstellungen ist Michael Lentz’ »Hörspiel Hölle« (BR 2019; Ursendung Fr., 21 Uhr, Bayern 2). Am Samstag bietet Bayern 2 Georg Büchners Klassiker »Lenz« als Hörspiel (BR 2017; 15 Uhr, Bayern 2).

Um Shanghai als Zufluchtsort vor den Nazis geht es in Ursula Krechels »Shanghai fern von wo (1/2)« (SWF 1998; Sa., 20 Uhr, DLF). Ulrike Voswinckel untersucht das exzentrische Leben der grundverschiedenen, zum Teil faschismusbegeisterten Mitford-Schwestern: »Glamour und Skandale – Die rebellischen Mitford Sisters« (BR 2009; Sa., 12 Uhr und So., 15 Uhr, WDR 3).

Das Stück »In Stanniolpapier« von Björn SC Deigner (SWR 2019; Ursendung So., 18.20 Uhr, SWR 2) basiert auf der Lebenserzählung einer Prostituierten. Ein durch eine Entschädigung für einen Unfall zum Millionär gewordener Typ lässt in dem Hörspiel nach Tom McCarthys Roman »Remainder« (NDR 2019; Ursendung So., 21 Uhr, NDR Info) dank der Macht seines Geldes alles reenacten, was ihm in den Kopf kommt. Und zum Wochenauftakt folgt der dystopische Klassiker von Aldous Huxley: »Schöne neue Welt« (RBB 2016; Teil 1/4 Mo., 19 Uhr, WDR 3) in einer Hörspielfassung. Die anderen Teile folgen im Tagesabstand.

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