Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 12.08.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Totrüstung

Zu jW vom 5.8.: »Jetzt also China«

Außenminister Heiko Maas plädiert für neue internationale Abrüstungsgespräche, bei denen China mit an den Tisch gehöre. Diese diplomatische Reaktion auf den Ausstieg der USA aus dem INF-Vertrag wird beim Sicherheitsberater Donald Trumps, John Bolton, offene Ohren finden. Der ausgewiesene Kriegstreiber hat den Ausstieg schon seit 1991 herbeigesehnt. Jörg Kronauer hat in dem Beitrag »Das wahre US-Ziel: Die Verteidigung Chinas neutralisieren« vom 4. Februar überzeugend dargelegt, warum. Ihn, Bolton, stören die Mittelstreckenraketen, die sich China als Nichtunterzeichner des INF-Vertrags angeschafft hat – als nahezu einziges Verteidigungsmittel gegen angreifende US-Kriegsschiffe. Er trachtete seither auf Abhilfe. Weil China dank der Raketen in der Lage ist, sich mit Aussicht auf Erfolg gegen angreifende US-Kriegsschiffe zu verteidigen, sollte und musste aus US-Sicht etwas unternommen werden. Den diplomatischen Schlenker, China zur Unterzeichnung des INF-Vertrags nötigen zu wollen, hat Beijing nicht einmal ignoriert. Alternativ entstand der Plan, den INF-Vertrag zu kündigen, um auf dem Gelände südostasiatischer Bündnispartner neue Mittelstrecken stationieren zu können. Das wird nun umgesetzt. Ein Außenminister, der als überzeugter Atlantiker diesen Zusammenhang nicht zur Kenntnis nimmt, ist eine erbärmliche Nummer. (…) Da nun die komplette NATO-Junta sich hinter die Entscheidung Trumps gestellt und alle Verifikationsangebote Russlands bezüglich der eigenen Waffen in den Wind geschlagen hat, wissen wir: Nichts ist so verlogen wie das Bekenntnis der NATO, mit Russland im Dialog bleiben zu wollen. Hier werden Pläne geschmiedet, die auf Vernichtung zielen. Deshalb eine allgemeine Feststellung: Marxisten sollten aus ihrem Wortschatz den Begriff »Wettrüsten« tilgen. Spätestens seit Unterzeichnung des Potsdamer Abkommens galt es einzig und allein, die Sowjetunion als gesellschaftlichen Gegenentwurf zu liquidieren. »Totrüsten« ist genauer. Dieses übergeordnete Ziel richtet sich heute gegen alle sich dem imperialen Anspruch entgegenstellende Staaten – Russland, China, Kuba und Venezuela …

Hans Schoenefeldt, per E-Mail

Ekelhafter Zynismus

Zu jW vom 6.8.: »Es wird dunkel«

Die von Clemens Tönnies wohl als guter Rat an die Adresse der afrikanischen Bevölkerung gerichteten Gedanken sollen nun doch nicht rassistisch sein. Die Schalker Ethikkommission weist solche Vorwürfe jedenfalls zurück, und der (…) Afrikabeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, bescheinigt dem Ehrenmann Tönnies sogar eine realistische Sicht auf Afrika. Im Vergleich gesehen: Wer am Staate Israel Kritik übt, der ist Antisemit, kann bestraft werden. Wer sich über die afrikanische Bevölkerung diffamierend äußert, der ist nur mal so im Ton entgleist. Wie kommt es zu solchen Maßstäben? Mit welcher Fachkenntnis urteilen diese Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft überhaupt? Die Afrikaversteher wissen also rein gar nichts von Ausplünderung, Ausbeutung, Abhängigkeit, Unterdrückung und Kriegen auf dem Kontinent seit vielen Jahrzehnten. Sie wissen nichts von Ursachen, Verursachern und Hintergründen. Sie wissen nicht, wer für wen die afrikanischen Länder ausraubt. Sie haben nie von den zahllosen Kindern gehört, die für westliche Konzerne mit ihrer Arbeit ihre Gesundheit und ihr Leben ruinieren. Aber das darf nicht rassistisch genannt werden, was an ekelhaftem Zynismus die Tönnies’ und Nookes von sich geben? (…)

Roland Winkler, Aue

Deutsche Kolonie

Zu jW vom 7.8.: »Land zu verkaufen«

Tatsächlich behandelt der IWF die Ukraine überaus »freundlich«. Kein anderes, faktisch bank­rottes Land, das sich zudem im Bürgerkrieg befindet, erhält wie die Ukraine IWF-Kredite. Das EU-Assoziierungsabkommen lässt der Ukraine viel weniger Spielraum. Alle von Brüssel beschlossenen EU-Regeln muss die Ukraine – ohne eigene Mitsprache – umsetzen. So auch die Freigabe von Boden. Künftig unter Verzicht auf die üblichen ukrainischen Strohmänner beim Landkauf schreitet die Ukraine weiter voran auf dem Weg hin zu einer Agrarrohstoffkolonie und einem Billiglohnproduzenten – Hauptprofiteur ist der deutsch dominierte EU-Wirtschaftsraum.

Hans Gielessen, Frankfurt am Main

Unzureichende Inklusion

Zu jW vom 8.8.: »Bildungselite geht eigene Wege«

Leider wird in dem Artikel nicht berücksichtigt, dass für etliche Schülerinnen und Schüler die Kosten für den Besuch der Privatschulen von öffentlichen Trägern (Jugendämtern, Sozialämtern) in Form von Eingliederungshilfe für Kinder mit Behinderungen übernommen werden, da im Rahmen der »Inklusion« nach der UN-Behindertenrechtskonvention Förderschulen deutlich reduziert, aber in öffentlichen Regelschulen keine Voraussetzungen geschaffen wurden (z. B. durch Reduzierung der Klassenstärken, doppelte Besetzung mit Lehrpersonal), die individuelle Förderung dieser Kinder sicherzustellen. Dies bedeutet: Abgesehen davon, dass die Bildungselite verhindern möchte, dass ihre Kinder mit Schwächeren lernen, werden Kinder mit Behinderungen ohnehin nicht ausreichend ins bestehende Bildungssystem inkludiert. (…)

Martina Keleser, per E-Mail

Super uncool

Zu jW vom 7.8.: »Aber, wie gesagt, na ja«

»Wacken 2019«: Wenn schon, denn schon feiern, bis die »Schwarte kracht«; es menschelt halt an allen Ecken und Enden! Festivals, Sportevents, eine Kerwe nach der andern, und in dieser Feierlaune fliegt gar ein »Raketenmann« erfolgreich über den Ärmelkanal, und in Hersbruck, da laufen die Esel den Eseln nach. Der Durchschnittsmensch, der braucht all diese Bespaßung und all diese spaßigen Spaßvögel, damit der Mensch eben nicht zum Nachdenken kommt. Langeweile darf nicht sein, Langeweile ist »uncool«, Langeweile ist »super ungeil«, Langeweile ist einfach tödlich!

Klaus P. Jaworek, Büchenbach

Nichts ist so verlogen wie das Bekenntnis der NATO, mit Russland im Dialog bleiben zu wollen. Hier werden Pläne geschmiedet, die auf Vernichtung zielen.