Gegründet 1947 Sa. / So., 19. / 20. Oktober 2019, Nr. 243
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 10.08.2019, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Der Jasager

Von Arnold Schölzel
schwarzer kanal.png

Grünen-Chef Robert Habeck sagt am vergangenen Sonnabend zu einer Militärmission in der Straße von Hormus in der Passauer Neuen Presse: »Deutschland muss in Verantwortung gehen und dafür sorgen, dass Europa in dieser angespannten Situation gemeinsam und mit einer eigenen Stimme agiert.« Und: »Europa kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass andere seine Interessen vertreten. Es muss weltpolitikfähig werden.« Der Klimaretter und Dr. phil. will nicht nur Deutsche als erste an der Front sehen, sondern auch beim Kampf um den Platz an der Sonne vorn dabeisein, wo die besonders stark strahlt.

Die Vokabel »weltpolitikfähig« war von Angela Merkel noch nicht zu hören, alles übrige schon. So geht grüner Fortschritt. Die Zeit titelt folgerichtig am Donnerstag ein Interview mit dem Grünen-Parteiveteranen Daniel Cohn-Bendit – bekannt für Publikation von sexuellen Handlungen an Kindern (»Der grosse Basar«, 1975) und die Forderung, im Kosovo-Krieg 1999 deutsche Bodentruppen einzusetzen: »Habeck kann Kanzler werden.« Cohn-Bendit verkündet außerdem, dass er bei Flügen, z. B. wenn er »einfach nur nach New York« will, »rationale Argumente mit meinem Lustprinzip« verbinde. Klasse Motto, passt auch auf Militärexpeditionen.

Was der Kanzler Habeck bei einer solchen zu bedenken haben wird, haben die Zeit-Redakteure Gero von Randow und Michael Thumann ein paar Seiten weiter unter der Überschrift »Die Neinsager« schon mal aufgeschrieben. Aufhänger ist die Ablehnung der Bundesregierung, an einer Marineexpedition im Persischen Golf unter Führung der USA teilzunehmen. Die Sache, so die Autoren, sei damit aber nicht erledigt. Die Lage dort sei »hochexplosiv«, und »mitnichten können die Deutschen hoffen, in jedem Fall unbeteiligt und unbehelligt danebenstehen zu können«. Die CDU als künftiger Juniorpartner in einer grün geführten Koalition ist deswegen bereits derselben Meinung wie Habeck: Im Falle einer EU-Mission solle »Deutschland die politische Führung übernehmen und sich nicht wegducken«, wird der Christdemokrat Peter Beyer zitiert. Unsichere Kandidaten sind aus Zeit-Sicht nur die Bedenkenträger von den Sozen. Egal, die bekam man noch immer mit ins Marineboot, ein echtes Problem ist die Bevölkerung – alles Neinsager: »Am 1. August fragte das Emnid-Institut im Auftrag der Bild am Sonntag, ob sich Deutschland im Golf ›an einem internationalen Marineeinsatz zur Sicherung der Schiffahrtswege‹ beteiligen sollte. Mit Nein antworteten 59 Prozent der Befragten.« Die glauben nicht an deutsche Größe. Das ist das Erbe Angela Merkels.

Nein, das fing vorher an, dozieren die Zeit-Autoren. Deutschland habe sich nach dem Ende der Sowjetunion in der »bequemen Vorstellung eingerichtet«, »von Freunden umgeben zu sein«. Aha. Deswegen war schon in den »Verteidigungspolitischen Richtlinien 1992« zu lesen, die Bundeswehr sei für die »Aufrechterhaltung … des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt« zuständig.

Irgend etwas dämmert an dieser Stelle den Herren von der Zeit: »In Wahrheit ist die Politik auch längst weiter, schließlich beteiligt sich die Bundeswehr derzeit an einem guten Dutzend Auslandseinsätzen, von Mali bis nach Afghanistan.« Gott sei Dank, Habeck muss nicht bei null anfangen. Und von Randow und Thumann schreiben auch nicht das böse Wort mit K wie Krieg auf, sie nennen das gute Dutzend vielmehr »außenpolitisch friedfertig«. Nur »der Deutsche« verdränge diese »Auslandseinsätze«.

Habeck, übernimm! Die Grünen haben es schon beim ersten Mal in der Regierung geschafft, »den Deutschen« zwar nicht für den Jugoslawien-Krieg zu begeistern, verhinderten aber, dass er dagegen auf die Straße ging. Krieg und Klimaschutz zusammen kriegt nur einer hin. Endlich ein Jasager.

Klimaretter Dr. phil. ­Robert Habeck will nicht nur Deutsche als erste an der Front sehen, sondern auch beim Kampf um den Platz an der Sonne vorn dabeisein, wo die besonders stark strahlt.

Mehr aus: Wochenendbeilage