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Aus: Ausgabe vom 31.07.2019, Seite 11 / Feuilleton

Karusseit, Bormann, Ostberg

Von Jegor Jublimov
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Später Publikumsliebling: Ursula Karusseit (hier mit Manfred Krug in »Wege übers Land«, 1968)

Bundesweit wird dieser Tage in den Medien eine bekennende Linke aus der DDR gewürdigt – Ursula Karusseit, die sich mit ihrer Altersrolle als Cafeteriachefin Charlotte Gauss in der ARD-Serie »In aller Freundschaft« seit 1998 eine neue große Verehrerschar erobert hatte. Der MDR lässt sich zu ihrem 80. Geburtstag nicht lumpen und ehrt den im Februar verstorbenen Publikumsliebling mit der Wiederholung einiger Wunschfolgen der Zuschauer, aber auch mit Filmen. Selbst solche aus der DDR dürfen dabeisein! Nach dem harmlosen Filmchen »Camping, Camping« aus dem Jahr 1977 (hier hat sie einen One-Night-Stand mit Henry Hübchen zu spielen) läuft am Freitag, dem Geburtstag, der lang vermisste Defa-Märchenfilm »Die vertauschte Königin«. In der Nacht werden dann sogar ernsthafte Probleme der Frauenemanzipation in der DDR behandelt in der Folge »Gefechte mit Napoleon« aus der Reihe »Eva und Adam«, die Horst E. Brandt (der Vater von MDR-Hauptredaktionsleiterin Spielfilm Jana Brandt) 1973 inszenierte. Zudem erinnert allenthalben ihr zweites Memoirenbuch »Zugabe«, das im Frühjahr postum erschien, an die große Bühnen- und Filmkünstlerin der DDR.

Halb so alt ist eine andere Defa-Schauspielerin. Susanne Bormann wird, ebenfalls am Freitag, junge 40! Sie spielte in Michael Gwisdeks Regiedebüt »Treffen in Travers« mit neun Jahren die Tochter des Aufklärers und Revolutionärs Georg Forster. Mit elf war sie dann Corinna Harfouchs Tochter in der Literaturadaption »Zwischen Pankow und Zehlendorf« (1991). Obwohl sie eigentlich nicht Schauspielerin werden wollte, bekam sie doch Teenagerrollen, erhielt für Uwe Frießners Jugendfilm »Abgefahren« 1996 den Adolf-Grimme-Preis, und als Andreas Dresen sie in »Raus aus der Haut« und »Nachtgestalten« einsetzte, war sie für den Deutschen Filmpreis nominiert. Dresen konnte sie überreden, Schauspiel zu studieren. Danach ging sie ans Theater, spielte daneben aber immer wieder in erfolgreichen Filmen wie »Fleisch ist mein Gemüse« oder »Russendisko« und in Serien wie »Letzte Spur Berlin«. Nach wie vor hat Bormann viel zu tun. Abwarten, ob der MDR sie zum 80. auch mit einem Programmschwerpunkt ehren wird.

Am Sonntag wäre Wolfgang Ostberg, der 2011 gestorben ist, 80 geworden. Der Berliner hatte in Leipzig Schauspiel studiert, ging dann bis 1968 ans Theater der Freundschaft, wo ihn die Kinder besonders als Huckleberry Finn (gab es auch auf Schallplatte) ins Herz schlossen. Nach dem Wechsel ans Metropol-Theater fand er in seiner Kollegin Maria Alexander sein Lebensglück. Stets konnte Ostberg seine Stimme besonders gut einsetzen, sei es im Hörspiel oder als Synchronsprecher – beispielsweise für Dean Reed in »Blutsbrüder«. Dazu brachte er sich seriös und komödiantisch in TV-Reihen in nachhaltige Erinnerung, etwa im »Polizeiruf 110« oder bei den »Drei reizenden Schwestern«.

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