Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 31.07.2019, Seite 7 / Ausland
Forum von São Paulo

Friedenskämpfer willkommen

Protest gegen Verfolgung Linker in Kolumbien: Venezuelas Regierung und »Forum von São Paulo« solidarisieren sich mit FARC-Kämpfern
Von Julieta Daza, Caracas
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FARC-Vorstandsmitglied Carlos Antonio Lozada spricht am Sonnabend bei einer Großkundgebung aus Anlass des Forums von São Paulo in Caracas

Die Organisatoren des am Sonntag in Caracas zu Ende gegangenen 25. Treffens des »Forums von São Paulo« haben eine positive Bilanz der Veranstaltung gezogen. Roy Daza, Chef des Vorbereitungskomitees und Sprecher der Internationalen Kommission der Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV), wertete die Konferenz im Gespräch mit junge Welt als die wichtigste internationale Veranstaltung, die es 2019 in Lateinamerika gegeben habe. Die Blicke vieler Medien, Regierungen, Parteien und Thinktanks aus aller Welt seien auf das Forum in Caracas gerichtet gewesen. Durch die zahlreichen internationalen Delegationen und ihre Beteiligung an den vielfältigen Diskussionen seien die verschiedenen Kämpfe der Volksbewegungen des Kontinents sichtbar geworden. Wichtig sei auch die Rolle gewesen, die Akademiker und Intellektuelle sowie die Jugend ausgefüllt hätten. So hatte es im Anschluss an das Forum eine Regionalkonferenz des Weltbundes der Demokratischen Jugend in Caracas gegeben. Javier Gutierrez von der mexikanischen Partei der Arbeit sagte gegenüber jW, eine wichtige Stärke der Veranstaltung sei ihre Offenheit gewesen: »Nicht nur die Mitbegründer und Mitgliedsorganisationen des Forums von São Paulo durften teilnehmen, sondern auch zahlreiche weitere progressive und linke Organisationen.«

Bei den Debatten standen die Solidarität mit Venezuela und Kuba sowie der Protest gegen die Sanktionen und Blockaden der USA gegen die fortschrittlichen Regierungen des Kontinents im Mittelpunkt. Angeprangert wurde aber auch die systematische Ermordung sozialer Aktivisten sowie ehemaliger Kämpfer der Guerillaorganisation FARC-EP in Kolumbien. So wurde in die Abschlusserklärung auch die Forderung nach Freilassung des in den USA inhaftierten ehemaligen FARC-Comandante Simón Trinidad aufgenommen.

Die Abschlussveranstaltung fand am Sonntag abend (Ortszeit) im »Cuartel de la Montaña« statt. Von dieser ehemaligen Kaserne auf einem Berg oberhalb der Hauptstadt Caracas aus hatte Hugo Chávez am 4. Februar 1992 die fehlgeschlagene Rebellion bolivarischer Militärs geleitet. Nach seinem Tod 2013 wurde er dort aufgebahrt. Die zentralen Reden zum Abschluss hielten Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel und sein venezolanischer Amtskollege Nicolás Maduro. Dieser sorgte vor allem bei den bürgerlichen Medien Kolumbiens für Aufregung, als er erklärte, dass er beim Forum in Caracas auch die Anwesenheit der ehemaligen FARC-Führungsmitglieder Iván Márquez und Jesús Santrich erwartet habe und begrüßt hätte. Die beiden Comandantes sind untergetaucht und halten sich als Konsequenz aus der anhaltenden Gefährdung der ehemaligen FARC-Kämpfer an einem unbekannten Ort auf. Seit dem Abschluss des Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-EP Ende 2016 sind bereits mehr als 130 ehemalige Mitglieder dieser Organisation ermordet worden. Außerdem sitzen noch immer rund 400 FARC-Mitglieder im Gefängnis, obwohl ihre Freilassung vereinbart worden war.

Márquez und Santrich seien in Venezuela willkommen, denn sie seien Friedenskämpfer, so Maduro in seiner Ansprache. Er werde weder Erpressungsversuche des ehemaligen kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe Vélez noch von dessen »Marionette«, dem gegenwärtigen Staatschef Iván Duque, akzeptieren. Beide Politiker stünden in Verbindung mit paramilitärischen Gruppen und dem Drogenhandel, so der venezolanische Präsident. Uribe hatte am 25. Juli öffentlich behauptet, dass sich Márquez, Santrich und ein weiterer ehemaliger FARC-Comandante, »El Paisa« alias Oscar Montero, sowie Kämpfer der noch aktiven Guerillaorganisation ELN in Venezuela befänden und am Forum in Caracas teilnehmen würden. Am Montag kritisierte Duque die Äußerungen Maduros. Sie bewiesen, dass Venezuela »ein heiliger Ort für Terroristen und Drogenhändler« sei, wird er von der kolumbianischen Zeitung Semana zitiert.

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