Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 23.07.2019, Seite 8 / Ansichten

Rechts um!

Neue Verteidigungsministerin zur Armee
Von Arnold Schölzel
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Ernst dreinschauen, das gehört sich für eine Verteidigungsministerin

Die aktuellen Spannungen in den internationalen Beziehungen reichen nicht, es muss mehr deutsche Aufrüstung her. Das ist jedenfalls die Auffassung der neuen deutschen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und die derjenigen, die sie in das Amt für vermutlich überschaubare Zeit gehievt haben. Zu entnehmen ist das einem Interview mit der Ministerin, die offiziell erst am Mittwoch im Bundestag eine Regierungserklärung abgeben wird, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Neben allerhand unbeholfener Komik, wie sie bei Bekenntnissen zu deutschnationalem Brimborium regelmäßig entsteht (»Die Fahne, die Nationalhymne, die aufmarschierten Soldaten, da bekomme ich eine Gänsehaut«), und beseligter Nostalgie (»Mein ältester Bruder war Zeitsoldat bei der Bundeswehr, und als Teenager habe ich eine Zeitlang immer einen abgelegten Kompaniepullover von ihm in die Schule angezogen«), steht da strategischer Klartext: »Wir haben beim Zwei-Prozent-Ziel der NATO eine klare Zusage gemacht.« Das sei »auch die Auffassung der CDU«, und sie werde diese Haltung »im Kabinett und im Koalitionsausschuss« vertreten. So ergänzt sich, was zusammengehört: patriotische Halbwüchsigenbesoffenheit, schöne Rendite für die Rüstungsindustrie und Wunscherfüllung für den Generalstab.

Die Twitter-Frage des AfD-Vorsitzenden von Rheinland-Pfalz, des Bundeswehr-Oberstleutnants a. D. Uwe Junge, nach der Amtseinführung Kramp-Karrenbauers, wann der »Aufstand der Generäle« komme, bestätigt lediglich, dass da einer Felle davonschwimmen sieht. Das Aufständchen im Offizierskorps der Bundeswehr fand vor zwei Jahren statt, als Ursula von der Leyen der Truppe ein »Haltungsproblem« attestierte. Das war ihre wohlkalkulierte Verharmlosung der Tatsache, dass die Armee ebenso wie jede Sicherheitsbehörde oder die Justiz ein staatlich alimentierter Tummelplatz für alle ist, die mit oder ohne Bombe und Schießprügel die Bundesrepublik heim ins Reich befördern möchten. Den schlichteren Kommissköppen wie den schneidigen Wehrmachtsverehrern mit Generalsepauletten war das ein Anlass, ihre Vorgesetzte öffentlich in einer Weise zu rüffeln, wie es das in der Geschichte der Bundeswehr noch nicht gegeben hatte. Konsequenzen: keine. Dabei steht allein das höhere AfD-Personal mit seinen Oberstaatsanwälten, Obersten a. D., Richtern, Rechtsanwälten, Polizeikommissaren usw. stellvertretend dafür, was sich im Innern der Ämter längst als Maxime durchgesetzt hat: beim dritten Anlauf zum Platz an der Sonne vorne mitmachen. Das aber hat nicht die AfD zu erledigen, soweit geht die Liebe der deutschen Bourgeoisie zu ihr doch oder noch nicht. Da kochen die Chefinnen selbst.

Wer wissen will, was ein Rechtsruck ist, höre am Mittwoch die Regierungserklärung Annegret Kramp-Karrenbauers. Koalitionspartner SPD macht mit, unter »Kritik«. Die Arbeitsteilung hält.

Debatte

  • Beitrag von günther dr.freudenberg aus bernburg (23. Juli 2019 um 11:08 Uhr)
    Dem Beitrag des Genossen Schölzel gehört meine volle Zustimmung. Insbesondere stimme ich seiner Feststellung zu, dass sich in den betreffenden Ämtern längst der Wunsch durchgesetzt hat, dass man beim dritten Anlauf zum Platz an der Sonne vorne mitmachen möchte. Dass dieser Platz aber den Köchinnen – unseren modernen Amazonen – vorbehalten ist, müssen die nachgeordneten Lakaien und dienstbaren Geister in den verschiedenen Ämtern und Einrichtungen schon heute berücksichtigen – sofern nicht die eigentlichen Herren dieses imperialistischen Spieles diese Plätze selbst beanspruchen. Und unter welcher Feldpostnummer diese Herren erreicht werden können, weiß jeder und jede, der/die in ML aufgepasst hat.
  • Beitrag von Ralf Schuster aus Gießen (23. Juli 2019 um 15:09 Uhr)
    Am lächerlichsten war ja die Behandlung von Wehrmacht und NVA als gleichermaßen untauglich für die Traditionstiftung der Bundeswehr.

    Denn wer hat nicht davon gehört, den konspirativen Zirkeln der NVA/DDR-Nostalgiker innerhalb der Bundeswehr oder den DDR/NVA-Devotionalien und Bildern von Erich Honecker in Mannschaftsspinden oder wie Soldaten heimlich sozialistisches Liedgut singen.

    Es ist so unglaublich dumm ... Aber dieser Extremismustheorie-Quatsch ist ja nichts Neues.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

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