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Aus: Ausgabe vom 17.07.2019, Seite 11 / Feuilleton

Troegner, Keller, Lehmann, Nolze

Von Jegor Jublimov
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Gerngesehener Gast in Dieter Hallervordens Berliner Schlosspark-Theater: Franziska Troegner, die heute 65 wird

Zuschauer in ganz Deutschland kennen Franziska Troegner aus der ZDF-Serie »Der Landarzt«, in der sie die gute Seele Gertrud Hinnerksen rund 170mal spielte. Wie stark würden die Zuschauer sie, besonders die in den »gebrauchten Bundesländern«, erst bewundern, wenn sie sie in den wirklich großen Rollen gesehen hätten, die Troegner bis 1991 am Berliner Ensemble spielte: Stumme Kattrin, Polly, Grusche – einfach atemberaubend! Erleben kann man sie heutzutage im Berliner Schlosspark-Theater, wo sie der Direktor, ihr langjähriger Fernsehpartner Dieter Hallervorden, oft engagiert. Bücher schreibt Troegner auch, ihr Debüt heißt »Fürs Schubfach zu dick« (2009). Aus dem aktuellen Werk »Permanent trendresistent« wird sie nach der Sommerpause unter anderem in Schwerin, Teterow und Hohen Neuendorf lesen. Franziska Troegner wird am 18. Juli 65.

Zu den vielen Literaturadaptionen, in denen Troegner bei Rundfunk und Fernsehen der DDR zu erleben war, zählt das Fernsehspiel »Wenn ich dich nicht hätte« aus dem Jahr 1982, was bemerkenswert ist, weil die Vorlage von dem Schweizer Nationalautor Gottfried Keller stammt. Der Bildungsroman »Der grüne Heinrich« war Kellers Hauptwerk, gefolgt von der Novellensammlung »Die Leute von Seldwyla«. Hieraus stammt die Erzählung »Kleider machen Leute«, die mehrfach verfilmt wurde. Kellers Geburtstag jährt sich am Freitag zum 200. Male.

Nicht eben hoch von Wuchs ist Christian Lehmann, der am Sonnabend 85 wird, doch einer der ganz Großen unter den deutschen Kameramännern. Von seinen Babelsberger Studienjahren an war der Dokumentarfilm seine Leidenschaft. Er blieb den großen Regisseuren der Defa, Jürgen Böttcher, Volker Koepp oder Peter Voigt, in mehr als zweihundert Filmen (zwischen 1959 und 2017) ein ebenbürtiger Partner. Kollege Sebastian Richter hielt die Laudatio, als Lehmann 2015 den Ehrenpreis der Defa-Stiftung erhielt, und nannte sein Credo: »Kameraleute müssen anständig sein, dürfen ihre Werkzeuge nicht missbrauchen und müssen Vertrauen gewähren und beweisen. Jede Einstellung erfordert die eigene Haltung zur Umwelt, zu den Menschen, die man abbildet und zum Raum, der durch Menschen gestaltet wurde.«

Zwar spielte der Schweriner Kurt Nolze zwischen 1967 und 1995 ab und an Rollen vor der Kamera (die bedeutendste war 1983 der Pinselheinrich im Defa-Musical »Zille und ick«), aber weithin bekannt wurde er vor allem durch seine Lieder, die in den achtziger Jahren auf fünf LPs erschienen und ihm den Kunstpreis der DDR einbrachten. Er spielte den Onkel Bräsig auf der Fritz-Reuter-Bühne und verdingte sich nach 1990 erfolgreich beim Hamburger Ohnsorg-Theater. Inzwischen tritt der Plattdütsch-Fan, der morgen 80 wird, kürzer und überlässt die großen Auftritte seinen musikalischen Söhnen Alex und Benjamin.

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