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Hund auf dem Mond

Von Rafik Will
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Einmal im Leben die Erde anbellen!

Der Dopplereffekt ist ein bekanntes Alltagsphänomen. Wenn ein Krankenwagen durch die Stadt fährt, ändert sich die Tonhöhe seines Martinshorns. Je nachdem, ob er sich auf jemanden zubewegt oder von ihm entfernt, klingt es höher oder tiefer. Und möglicherweise ist elektronische Musik aus China mit hohem Tempo im Kommen, schließlich hat Beate Andres ihr Feature über fernöstliche Klangkunst zum Tanzen  »Dopplereffekt« (DLF Kultur 2019; Ursendung Di., 22 Uhr, DLF Kultur) genannt.

In diesem Jahr hat der BR eine Hörspielversion von Wolfgang Herrndorfs letztem Romanfragment produziert. Damit nicht genug, kommt jetzt die als »Hörbuch des Jahres 2018« ausgezeichnete Fassung von Herrndorfs »Bilder deiner großen Liebe« (Roof Music/Theater Neumarkt Zürich 2018; Mi., 20 Uhr, NDR Kultur) ins Radio. Hier leiht die Schauspielerin Sandra Hüller der aus der Psychiatrie entflohenen Protagonistin Isa Schmidt ihre Stimme.

Marie-Christine Werners Feature  »Konspirateurinnen – Frauen im Widerstand gegen Hitler« (SWR 2019; Mi., 22 Uhr, SWR 2) nimmt den bevorstehenden Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944 zum Anlass, um an Frauen aus dem Südwesten Deutschlands zu erinnern, die gegen den Faschismus aktiv wurden.

Eine Ursendung zur Mondlandung kommt von Patricia Görg mit »Die Gesänge der Raumfahrer – Ein Fernlehrgang und ein Hörspiel« (DLF Kultur 2019; Mi., 22 Uhr, DLF Kultur). Tags darauf erkundet Tina Saum in ihrem Stück »Sagen wir: Ein Mann geht die Straße entlang« (SWR 2019; Ursendung Do., 22 Uhr, SWR 2), wie das sowjetische Taschkent sich im Vergleich zum heutigen dargestellt hat. Sprecher und Experte bei der akustischen Zeitreise ins Baumwolland Usbekistan ist der heute in Stuttgart lebende Schauspieler und Theatermacher Vladislav Grakovskiy.

Drohanrufe sind radioaffin, aber auch morbide. Klaus-Peter Wolf hat daraus einen Krimi über einen gruseligen Stalker gemacht: »Der Flüsterer« (WDR 2011; Fr., 19 Uhr, WDR 3 und Sa., 17 Uhr, WDR 5). Ein vielleicht noch reizvolleres Szenario hat Stanislaw Lem für seinen Krimi »Die Mondnacht« (BR/NDR/SDR/SFB 1976; Sa., 14 Uhr, ORF Ö1) entworfen. Zwei Raumfahrer auf dem Rückweg zur Erde stellen fest, dass der Sauerstoff knapp wird. Sie versuchen, sich gegenseitig umzubringen und gleichzeitig die alle Gespräche an Bord aufzeichnende Blackbox zu täuschen. Den beunruhigend ruhigen Alltag einer aus sprechendem Hund und Herrchen bestehenden Mondmission beschreibt dann Esmé Bromhead in »Die Flohwalzerbörse« (HR 2007; So., 14 Uhr, HR2 Kultur).

Den Karrierewechsel einer Schauspielerin zur Entscheidungsträgerin über Asylgesuche im BAMF untersucht Andreas Ungers »Die Anhörerin« (BR 2019; Ursendung So., 15 Uhr und Wdh. Mo., 20 Uhr, Bayern 2).

Von Hans Sarkowicz kennt man die Reihe »Geheime Sender – Der Rundfunk im Widerstand gegen Hitler« (HR 2018), jetzt startet sein ebenfalls achtteiliges Feature »Alexander von Humboldts unbekannter Kosmos« (HR 2019; So., 18 Uhr, HR2 Kultur). Nikoilai Gogols Klassiker »Die Nase« (SDR 1967; So., 18.20 Uhr, SWR 2) über ein autonom handelndes Riechorgan bietet groteske Unterhaltung (inklusive einem Nasenlosen). Ein psychologisches Familiendrama liefert Cristin Königs »Moorschwestern« (DLF Kultur 2019; Ursendung So., 18.30 Uhr, DLF Kultur) über drei Geschwister, die auf dem Weg zur Mutter im Schlamm stecken bleiben.

Bleiben Natascha Gangls surrealistische Wortkaskaden gegen Femizide in »Wendy Pferd Tod Mexiko« (Eigenproduktion 2018; So., 19 Uhr, WDR 3) und Olaf Karniks und Volker Zanders »Nichts los – Was wurde aus der Langeweile?« (SWR 2018; So., 20 Uhr, DLF), ein Feature über Boredom in Zeiten digitaler Dauerbespaßung.

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