Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 16.07.2019, Seite 5 / Inland
Kohleausstieg

Raus aus RWE-Aktien

Gegen schmutzige Energie: Städteregionstag Aachen will Anteile an Energiekonzern abstoßen
Von Gitta Düperthal
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Einsatzfahrzeuge der Polizei vor dem RWE-Braunkohlekraftwerk Weisweiler (15.11.2017)

Der Kohlekonzern RWE bekommt nun zu spüren, dass Klima- und Umweltzerstörung nicht mehr von den Menschen hingenommen wird. Die Initiative »Fossil Free Aachen« lobt den Beschluss des Städteregionstages Aachen vom 4. Juli, sich bis Mitte 2020 von den kommunalen Aktien des Stromriesen zu trennen. RWE müsse ohnehin aus der Braunkohle aussteigen, tue sich aber sichtlich schwer damit, sagte die Sprecherin der Initiative Lea Heuser am Freitag gegenüber jW. Mit der schmutzigen Energie müsse Schluss sein, »und sowas merkt ein Konzern nur am Geld«. Obgleich die Kohlekommission sich auf ein Ende der Kohleverstromung für das Jahr 2038 einigte, baggere der Konzern »wider jede Vernunft« im Hambacher Wald weiter und siedele Dörfer um. Die Initiative ruft dazu auf, dem Beispiel der Städteregion zu folgen und »fossilen Energiekonzernen den gesellschaftlichen Rückhalt zu entziehen«.

Der Gemeindeverband, zu dem neben Aachen neun weitere Städte und Kommunen in Nordrhein-Westfalen gehören, hatte bereits 2018 den Verkauf der Aktien beschlossen, aber nicht umgesetzt. Wofür das – hauptsächlich von der SPD eingebrachte – Argument entscheidend gewesen sei, als Aktionär Einfluss nehmen zu können. Aus Heusers Sicht ein Scheinargument: Die SPD, stets im Fahrwasser der Kohlelobbyisten, habe nie vorgehabt, einen anderen Einfluss geltend zu machen, als den für den Erhalt der Tagebauarbeitsplätze. Ein weiteres Argument, den Verkauf nicht zu realisieren, sei der Wertverlust durch den rapiden Fall der RWE-Aktie gewesen. Die hat sich aktuell auf 22,87 Euro eingependelt und habe schon schlechtere Zeiten gesehen, so Heuser. Ende 2018 lag ihr Wert teilweise bei unter 18 Euro.

Nun ist es soweit: Die Städteregion hält derzeit rund 550.000 RWE-Aktien. Vom Verkauf werden Erlöse in Höhe von rund 12 Millionen Euro erwartet. Das Geld soll unter anderem in die Erschließung eines Gewerbegebiets, den sozialen Wohnungsbau und die Modernisierung einer Klinik in Würselen fließen. Der Trend »Raus aus den Aktien« ist nicht neu. Der Rhein-Sieg-Kreis in NRW beschloss im Juni, die kommunalen Anteile an RWE ab 1. September schrittweise abzustoßen und die Einnahmen in einem Aktien- und Rentenfonds der Kreissparkasse Köln anzulegen. Die CDU hatte dies erstmals Ende 2018 zusammen mit ihrem grünen Koalitionspartner und der FDP beantragt.

Solche Verkäufe kommunaler Aktien sind meist weniger ökologisch als monetär begründet. Die Aktien im Tiefflug waren einst um die 100 Euro wert. »Fossil Free Aachen« gratuliert dennoch zum vollständigen Divestment aus dem Stromkonzern RWE. Zumal die Kommunen die Aktienpakete quasi geschenkt bekommen und sich so in ein »verfilztes Hörigkeitsverhältnis zum Konzern« begeben hätten, so Heuser. Der Aktienverkauf rette nicht die Welt, sei aber sinnvoll. Auf Nachfrage von jW, ob es sich bei den RWE-Aktien um »ein Geschenk« handele, erläuterte der Pressesprecher der Städteregion Aachen am Freitag, dies nach einer Archivrecherche nicht letztlich klären zu können. Erworben hätten die Kommunen die RWE-Aktien zwischen 1905 und 1920; es gab Währungsreformen und Weltkriege. Nicht auszuschließen sei, dass der Stromkonzern Straßen und Infrastruktur genutzt habe und dies mit Aktien als Gegenleistung vergütet worden sei. Den Stromanbieter habe die von CDU und Grünen regierte Städteregion Aachen bereits 2011 gewechselt und auf Ökostrom umgestellt.

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