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Aus: Ausgabe vom 15.07.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Schmerzhaft

Zu jW vom 5.7.: »›Der linke Flügel wird systematisch marginalisiert‹«

Es tut weh, lesen zu müssen, dass eine solche bewährte Kämpferin für Frieden und soziale Gerechtigkeit in der Welt und in der BRD (gemeint ist Johanna Scheringer-Wright, jW) in der Partei Die Linke systematisch marginalisiert wird. Das Problem ist doch, dass die permanenten politischen Streitereien in der Partei den Kampf aller linken Kräfte gegen das menschenfeindliche System stark schwächen. Ich bewundere den Mut und die konsequente Offenheit von Genossin Scheringer-Wright, gegen die Anpassungspolitik eines erheblichen Teils der Partei (…) aufzutreten. Ich frage mich, was Die Linke im Schlepptau von Ministerpräsident Bodo Ramelow in Thüringen noch alles zur Stärkung dieses Systems tun kann, bis der linke Flügel, insbesondere die Kommunistische Plattform (KPF), dem mit Entschiedenheit und Konsequenz entgegentritt. Unterstützung von dem revisionistischen Bundessprecherrat der KPF in Berlin dürfte nicht zu erwarten sein. Sein Prinzip ist identisch mit dem Ramelows: Nichts verändern, nur »verbessern«. Dem gilt sein ständiger Aufruf, einheitlich und geschlossen stehen wir zu dieser verhängnisvollen Politik der Partei Die Linke. Das klingt wie in der SPD, gemeinsam wollen wir untergehen. Nicht aufstehen, aber endlich aufwachen ist in der Partei Die Linke angesagt!

Sigfried Kotowski, per E-Mail

Keine Ahnung von digitalen Spielen

Zu jW vom 10.7.: »Gewerkschaften gegen Nazisymbole in Spielen«

Die Entfernung der Hakenkreuze in den »Wolfenstein«-Spielen sowie in anderen zurückzunehmen ist ein längst überfällig gewordener Schritt. Schließlich berufen sich Film und Fernsehen seit Jahrzehnten auf die Kunstfreiheit. Und Games sind auch Kunst. Die Verantwortlichen hätten sich einmal genauer mit dem Medium und dieser Spielreihe beschäftigen sollen (…). Mit der neuen Regelung kann das ganze Grauen, auch in anderen Spielen, gezeigt werden, ohne jede Art von Glorifizierung. Außerdem graben die Beteiligten eine längst begrabene Diskussion wieder aus: die völlig unnütze Debatte um die sogenannten Killerspiele.

Holger Gedack, per E-Mail

Versprechen nicht gehalten

Zu jW vom 24.6.: »Zeit der Monster«

(…) Bindungen an die Natur gehörten für die Menschen seit ewigen Zeiten zum Wichtigsten und Wertvollsten ihres wirtschaftlichen und seelischen Wohlbefindens. (…) Wenn Eisenberg feststellt, dass »Stadtteile, in denen die Einwohner sich der Gemeinde wenig verbunden fühlen, … einen starken Vandalismus und eine hohe Kriminalitätsrate aufweisen«, dann schildert er gewissermaßen die Situation im ganzen Land, denn auch auf dem Lande ist den Siedlern die Bindung zur Umgebung verlorengegangen, weswegen sie lieber bei den internationalen Handelskonzernen (harmlos Discounter genannt) einkaufen als im Dorfladen und bei den einheimischen Landwirten. Auch die Masse der Konsumenten betreibt Vandalismus im Sinne von fortwährender Entwurzelung durch Bevorzugung der »Segnungen« der modernen Konsumwelt: Billig-stetige Verfügbarkeit – Fernreisen fast zum Nulltarif – »Leben« im Internet als neuer, dritter »Natur«, die allesamt eine Überausbeutung von Mensch und Natur zur Basis haben. Wenn also Jugendliche heute, so wie in französischen Banlieues geschehen, (…) für sie errichtete Bibliotheken anzünden, dann ist dies nichts anderes als ein Versuch der Bestrafung des Staates für nicht eingehaltene Versprechen auf persönliche Anerkennung durch Ausbildung und Arbeitsplätze. Und es ist ein Angriff auf das, was dieser unserer Gesellschaft wichtig ist – Bildung –, aber zur Heuchelei wird, wenn das Grundlegende fehlt. Die historischen Vandalen wollten Vertragsgerechtigkeit. Wollen das die modernen »Vandalen« nicht auch? Eine Gesellschaft, die ihre Versprechen hält und zur Verwurzelung jedes einzelnen beiträgt – wozu allerdings die Bindung an unsere natürlichen Lebensgrundlagen dringend gehört: Nicht wie beim seichten »Dahoam is Dahoam«, sondern wie »Fridays for Future« ermutigend zeigt!

Hans Wöcherl, per E-Mail

Subventionen

Zu jW vom 4.7.: »Mieten sind Fass ohne Boden«

»Mehr als jeder zehnte Haushalt in Deutschland hat 2017 finanzielle Unterstützung vom Staat bekommen.« – Das ist nicht korrekt. Mit dem Geld vom Staat wird das Vermietgewerbe subventioniert. »Subventionen sind wirtschaftspolitische Eingriffe in das ­Marktgeschehen, mit denen ein bestimmtes Verhalten der ­Marktteilnehmer gefördert werden soll.« (Wikipedia) Das erhöhte Wohngeld gewährleistet also weiterhin steigende Mieten und ein profitables Gewerbe der Wohnungsvermieter.

Patrick Büttner, per E-Mail

Ausstellungen früher besprechen

Zu jW vom 25.6.: »Von erstaunlichem Talent«

Mit großem Interesse habe ich den Artikel über die Ausstellung von Jochen Berg in Bleicherode gelesen. Schon nach wenigen Sätzen nahm ich mir vor, da in den nächsten Wochen mal vorbeizufahren. Die Enttäuschung war natürlich groß, als ich am Ende las, dass die Ausstellung am selben Tag endet. Ich habe schon öfter bemerkt, dass (zum Teil auch mehrmonatige) Ausstellungen, die ich gern gesehen hätte, erst zum Schluss besprochen worden sind. Das ist wirklich schade! (…)

Mario Körber, Erfurt

Wenn also Jugendliche heute, wie in französischen Banlieues, Bibliotheken anzünden, dann ist dies nichts anderes als ein Versuch der Bestrafung des Staates für nicht eingehaltene Versprechen