Gegründet 1947 Donnerstag, 18. Juli 2019, Nr. 164
Die junge Welt wird von 2201 GenossInnen herausgegeben

Herr Z. will Notenbanker sein

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs
Von Lucas Zeise
Lucas_Zeise_Logo.png

Herrn Zuckerberg mangelt es nicht an Selbstvertrauen. Nachdem er das größte Informationsnetz (Social Network genannt) in die Welt gesetzt und aus den daraus fließenden Werbeerlösen sensationell hohe Gewinne abgegriffen hat, macht er sich nun daran, Banker und, noch besser, Zentral- oder Notenbanker zu werden. Im vorigen Monat kündigte er eine eigene Währung an, »Libra« (lateinisch: Waage und Pfund) genannt. Sie soll es, so sagt er, den Milliarden Menschen, die über wenig Dollar und nicht einmal ein Bankkonto verfügen, möglich machen, über ihr smartes Handy, über das sie natürlich verfügen, zu bezahlen. Der Zahlungsvorgang wird dann von einem Konsortium mit Mark Zuckerberg an der Spitze abgewickelt. Dazu wird die raffinierte »Blockchain«-Technik verwendet, die sich ja schon bei der seit 2009 bestehenden neuen Währung, dem »Bitcoin«, so bewährt hat. Nur, anders als die Bitcoins, deren Preis in Dollar oder Euro gerechnet wild schwankt, soll die Libra wertbeständig sein, weil Zuckerberg und Konsorten in genau festgelegten Verhältnissen jede Libra mit Dollar, Euro, Pfund (hier das englische), Yen und Schweizer Franken unterlegen und dafür auch die Garantie übernehmen.

Noch ist die Sache nicht soweit. Aber Zuckerberg hat behauptet, dass die tolle Sache schon im nächsten Jahr losgehen soll. Im von ihm versammelten Konsortium finden sich illustre und gewiefte Akteure wie zum Beispiel Microsoft, Uber, Paypal, Vodafone, Ebay und die beiden großen Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard. Dass ein gewisser Bedarf an effizienten Zahlungssystemen besteht, ist nicht zu leugnen. Überweisungen innerhalb Deutschlands funktionieren nicht schlecht, aber ins Ausland sind sie oft umständlich, langsam und teuer. Das internationale Zahlungsnetzwerk SWIFT im Besitz von 11.000 Banken ist, wie die Banker selbst sagen, technisch verbesserungsfähig. Es steht außerdem, wie die Auseinandersetzung um die Sanktionen gegen den Iran wieder einmal gezeigt hat, unter der Kontrolle der US-Regierung.

Die Notenbanker der westlichen Welt sind von Zuckerbergs Plänen nicht begeistert. Sie schwafeln von der Notwendigkeit, die neue, schöne Währung strikt zu regulieren. Die Gefahr ist allerdings für Entwicklungsländer mit einer schwachen Währung und ineffizienten Zahlungssystemen viel größer. Dort wird ohnehin oft neben und statt der heimischen in der Weltwährung Dollar, gelegentlich wohl auch in Euro abgerechnet und bezahlt. Auf diese Länder zielt das neue Konsortium ohnehin, und eine Regulierung derselben durch die imperialen Zentralbanken würde die Sache keinen Deut besser machen. Dabei geht es nicht um die Daten, wie vielfach kritisiert. Die hat Facebook bereits und macht Geschäfte damit. Es geht um den Notenbankgewinn. Jeder Kunde, der in Libra zahlt, muss diese erst für Dollar oder heimische Währung kaufen. Für Zuckerberg & Co. fallen bei der Libra-Ausgabe nicht einmal Druckkosten an. Es ist reinster Reingewinn. Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank, fragte Brecht. Und was ist die Gründung einer Bank verglichen mit der einer Notenbank?

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Frankfurt am Main

Mehr aus: Kapital & Arbeit