Gegründet 1947 Donnerstag, 18. Juli 2019, Nr. 164
Die junge Welt wird von 2201 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 11.07.2019, Seite 4 / Inland
System »Larus«

Drohne meidet Mittelmeer

Unbemannte Rettungssysteme sollen nur über Nord- und Ostsee fliegen
Von Matthias Monroy
RTX1MUN0.jpg
Drohne im Anflug: Mit 118 Menschen besetztes Schlauchboot 32 Kilometer vor der libyschen Küste (3.8.2015)

Unter dem Namen »Larus« lässt die Bundesregierung Drohnen entwickeln, die bei Seenotfällen zum Einsatz kommen sollen. Die Bezeichnung der Drohne steht für »Lageunterstützung bei Seenoteinsätzen durch unbemannte Luftfahrtsysteme«. Das System wird aus Mitteln der zivilen Sicherheitsforschung finanziert: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung zahlt dafür 2,8 Millionen Euro. Unter Leitung der Technischen Universität Dortmund sind mehrere deutsche Hersteller von optischen Sensoren und Kommunikationstechnik beteiligt, darunter auch die Deutsche Telekom. Weil die Drohne zur Seenotrettung in der Nord- und Ostsee eingesetzt werden soll, sind auch die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und die Bundespolizeiinspektion See mit Sitz in Warnemünde an Bord.

Die »Larus« hat eine Spannweite von fast vier Metern und basiert auf dem unbemannten Luftfahrzeug einer Firma aus Bremen. Auf der Webseite des Herstellers wird das Abfluggewicht mit 30 Kilogramm angegeben, die Drohne kann dabei rund 5 Kilogramm Nutzlast befördern und drei Stunden in der Luft bleiben. Damit gehört die »Larus« auch bei der Bundeswehr zu den größeren Drohnen im Bestand. Sie soll nicht permanent über deutschen Gewässern patrouillieren, sondern erst dann aufsteigen, wenn ein Notruf eingeht. Dann soll die Drohne selbständig Kontakt mit dem Havaristen aufnehmen und genaue Lageinformationen an die Rettungskräfte übermitteln. Die Position von Schiffbrüchigen wird von der »Larus« mit einem Lasermarkierer angezeigt. Auf diese Weise können diese auch bei schlechten Sichtverhältnissen oder mit Nachtsichtgeräten gefunden werden.

Die Suche und Rettung wird dabei in großem Umfang automatisiert. Die Drohnen nutzen ein Autopilotsystem und kreisen über dem Rettungsgebiet. Laut der Projektbeschreibung soll die »Larus« in den zivilen Luftraum integriert werden. Das würde bedeuten, dass für die Drohne eine entsprechende Zulassung erteilt wird. Dies wäre ein Novum und soll ermöglichen, dass sie auch in anderen Bereichen eingesetzt wird. Das Forschungsministerium nennt hierfür die Überwachung von Bohrtürmen oder Windkraftanlagen sowie den Katastrophenschutz.

Mit den Fähigkeiten zur Seenotrettung würde die »Larus« auch im Mittelmeer gebraucht. Dort nahm die deutsche Marine an der Militärmission Eunavfor Med teil, die ursprünglich zur Bekämpfung von Schleusern eingerichtet wurde. Die beteiligten Fregatten wurden von den zuständigen Seenotleitstellen in Italien und Malta immer wieder zur Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingsbooten beordert. Das italienische Hauptquartier der EU-Mission hat allerdings im Frühjahr entschieden, sämtliche Schiffe abzuziehen und statt dessen die Luftüberwachung auszubauen. Mittlerweile setzt das italienische Militär dazu regelmäßig große Drohnen des Typs »Predator« ein.

Auch Frontex (die »Küstenwache« der EU) überwacht das Mittelmeer seit letztem Herbst mit Langstreckendrohnen. Die Bundespolizei nimmt mit 14 Beamten an dieser Operation »Themis« teil. Die deutsche Seenotrettungsdrohne, an der die Bundespolizei ebenfalls beteiligt ist, soll jedoch nicht über dem Mittelmeer fliegen: Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger will sie nur in der Nord- und Ostsee einsetzen.

Ähnliche:

Regio: