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Aus: Ausgabe vom 08.07.2019, Seite 15 / Politisches Buch
Krise im Nahen Osten

Auf dem Weg in die multipolare Ordnung

Neues Heft der Welttrends zum Konflikt um den Iran
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Der Sprecher der iranischen Atomenergiebehörde, Behrus Kamalwandi (l.), Regierungssprecher Ali Rabei (M.) und Vizeaußenminister Abbas Araghchi (7.7.2019)

Im Juliheft des außenpolitischen Journals aus Potsdam finden sich mehrere Beiträge zum »Brennpunkt Iran«. Behrooz Abdolvand und Heinrich Schulz schreiben, dass die derzeitige Strategie der US-Administration in der letzten Konsequenz »Krieg und immensen Machtverlust der USA« bedeute. Der einseitige Rückzug aus dem Atomabkommen stehe für das Ende aller Bestrebungen, den Iran in die US-dominierte Weltordnung zu »integrieren«. Mit dem gleichzeitigen Versuch, die Etablierung der Islamischen Republik als Regionalmacht und den Einflussgewinn Russlands und Chinas im Nahen Osten zu verhindern, übernehme sich Washington: Dafür reiche das Potenzial der USA erkennbar nicht mehr aus. Diese Einsicht habe »weltweite Bedeutung«: Hier zeige sich erstmals empirisch, dass sich tatsächlich eine multipolare Ordnung anbahne.

Cornelius Adebahr hat die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der »Islamischen Revolution« im Iran beobachtet. Bemerkenswert sei, dass die politische Führung des Landes sogar bei dieser Gelegenheit »weniger die Islamische Republik selbst als die iranische Nation« beschwöre. Beim Selbstbild sei man in Teheran längst »wieder bei Iran, dem Land und der Nation, angelangt«. In dieser Hinsicht verhalte sich das Land bereits wie eine »normale Nation«.

Pjotr A. Kortunov schreibt, dass sich die Probleme in den iranisch-russischen Beziehungen demnächst häufen könnten. Die »Zweckehe« der letzten Jahre habe weniger der »Erreichung gemeinsamer Ziele« als der Abwehr gemeinsamer Gefährdungen gedient. Für Moskau habe inzwischen Stabilität oberste Priorität; Teheran aber versuche, seine Präsenz in Syrien auszubauen, um im Konfliktfall Druck auf Israel und Saudi-Arabien ausüben zu können. Die Aussicht auf eine Eskalation der Auseinandersetzung mit Israel sorge in Moskau nicht für »Freude«. Das gelte auch für einen offiziellen Ausstieg des Irans aus dem Atomabkommen. Dieses Szenario könne zu einem »Ende der Partnerschaft« führen. (jW)

Welttrends. Das außenpolitische Journal, Nr. 153/Juli 2019, 72 Seiten, 4,80 Euro, Bezug: Welttrends, Medienhaus Babelsberg, August-Bebel-Str. 26– 52, 14482 Potsdam, E-Mail: bestellung@­welttrends.de

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