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Aus: Ausgabe vom 06.07.2019, Seite 5 / Inland
Beleuchtungsindustrie

Osram-Chef sieht Licht

Leuchtmittelhersteller wird von Finanzinvestoren übernommen. IG Metall erwartet keine Zerschlagung
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Bei Lichte besehen: Der Osram-Vorstandsvorsitzende Olaf Berlien auf einer Hauptversammlung (München, 16.2.2016)

Der Vorstand des Beleuchtungsherstellers Osram hat der Übernahme des Unternehmens durch zwei US-Finanzinvestoren zugestimmt. Für die Aktionäre sei der angebotene Preis von knapp 3,4 Milliarden Euro »sehr attraktiv«, sagte Chef Olaf Berlien am Freitag. Für das Münchner Unternehmen mit 26.000 Beschäftigten biete sich die Chance, Investitionen zu finanzieren, für die Osram ansonsten kein Geld hätte.

Die zwei Investoren Bain Capital und Carlyle betonten in ihrer Stellungnahme ebenfalls, dass sie »umfangreiche Investitionen in zukunftsweisende Technologien« tätigen wollten. Sie wollen Osram von der Börse nehmen. Die Finanzinvestoren bieten den Aktionären 35 Euro je Aktie, die Frist läuft bis Anfang September. Bedingung ist, dass die Eigentümer von 70 Prozent der Aktien zustimmen. Berlien betonte, dass die zwei US-Unternehmen die Übernahme großenteils mit eigenem Geld finanzieren wollen und nicht über einen Kredit. 2,6 Milliarden Euro steuerten Bain Capital und Carlyle angeblich selbst bei. Damit handele es sich nach den Worten des Osram-Chefs nicht um einen »klassischen Leveraged buyout« – einen Unternehmenskauf auf Pump. Diese Praxis bestand in der Vergangenheit nicht zuletzt darin, dass Fonds den übernommenen Unternehmen anschließend ihre Schulden aufdrücken und mit scharfen Renditevorgaben oder dem Verkauf in Einzelteilen versuchen, Gewinn zu machen. Für die Angst, Osram könne in die Hände von Heuschrecken fallen, gibt es laut Berlien bei Bain Capital und Carlyle keinen Anlass: »Die Patente und Technologien bleiben bei uns. (…) Osram-Standort bleibt Deutschland«, sagte er.

Die IG Metall erhebt keine grundsätzlichen Einwände. Die Gewerkschaft forderte am Freitag von Vorstand und Eigentümern, sich an den vor zwei Jahren vereinbarten Erhalt und Ausbau der deutschen Standorte zu halten. »Wir erwarten vom Vorstand, dass er die dort getroffenen Vereinbarungen für die einzelnen Standorte umsetzt«, sagte der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Johann Horn. Die Gewerkschaft hatte in den Gesprächen erreicht, dass die Investoren sich zur Einhaltung von Mitbestimmung und Tarifbindung sowie Dialog mit den Beschäftigtenvertretern verpflichten. »Daher wenden wir uns nicht gegen eine Übernahme durch die Finanzinvestoren und erwarten von ihnen und dem Vorstand, dass sie die getroffenen Verabredungen für einen Zukunftsdialog zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Arbeitsplätze einhalten«, sagte Klaus Abel, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Osram und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender.

Osram ist einer der führenden Leuchtmittelhersteller weltweit. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschafteten die Beschäftigten der ehemaligen Siemens-Tochter bis Ende September einen Umsatz von mehr als 3,8 Milliarden Euro. Sofern auch die Osram-Aktionäre dem Milliardendeal zustimmen, werden Bain Capital und Carlyle sämtliche der knapp 96,86 Millionen Osram-Anteile übernehmen. Der Vorstand will auch die von Osram selbst gehaltenen 2,66 Millionen Aktien an die US-Amerikaner verkaufen. Möglich wird die geplante Übernahme wohl nur, weil Osram inzwischen weniger als halb soviel wert ist wie noch Anfang 2018: Damals kostete eine Aktie fast 80 Euro.

Der größte Teil des Geschäfts mit traditionellen Leuchtmitteln wurde 2016 an einen chinesischen Konzern verkauft. Osram produziert heute hauptsächlich LEDs und Optoelektronik, Hauptabnehmer sind die Auto- und Elektronikindustrie. 2018 eröffnete Osram ein großes neues Werk in Malaysia und kündigte eine Ausweitung der Produktion an. Im selben Jahr brachen die Umsätze dann ein. Anfang Mai gab Osram eine »Gewinnwarnung« heraus. Der Umsatz könnte im Jahr 2019 demnach um elf bis 14 Prozent schrumpfen. (AFP/dpa/jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Emil S.: Im Dienst des Kapitals Die IG Metall erhebt keine grundsätzlichen Einwände. Damit entpuppt sie sich als Organ des Finanzkapitals. Und so was darf sich Gewerkschaft nennen ...Organ des Finanzkapitals...

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