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Aus: Ausgabe vom 05.07.2019, Seite 7 / Ausland
Bergbau Ecuador

Im Dienst der Konzerne

Ecuadors Regierung setzt auf Härte gegen Betreiber »illegaler« Minen
Von Frederic Schnatterer
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Polizisten stehen am Dienstag in einer provisorischen Siedlung der Bergarbeiter in Buenos Aires, Ecuador

Nachdem Ecuadors Regierung am Dienstag 1.200 Soldaten und die gleiche Anzahl Polizisten nach Buenos Aires in der nördlichen Provinz Imbabura verlegt hat, haben mittlerweile etwa 2.500 Personen die Gemeinde verlassen. Das berichtete die ecuadorianische Tageszeitung El Universo am Mittwoch. Bei ihnen handle es sich um Venezolaner, Kolumbianer, Peruaner und Ecuadorianer, so der Sprecher der Nationalpolizei, José Vargas. Arbeitsgeräte, Material und selbst Lebensmittel der von der Regierung als »illegal« bezeichneten Bergarbeiter seien konfisziert und teilweise zerstört worden.

Am Montag (Ortszeit) hatte das Innenministerium den Notstand in der Gemeinde ausgerufen. Die nun laufende Operation mit dem Namen »Neue Morgendämmerung« sieht die vollständige Zerschlagung der Strukturen des »illegalen« Bergbaus vor. Nach Angaben der Regierung schürfen in der Region etwa 10.000 Menschen ohne die nötige Berechtigung nach Gold. Rund um die Minen sei zudem ein »kriminelles Netzwerk« entstanden: »Es gibt Tote bei Schießereien, Messerstechereien und Erdrutsche«, hieß es zur Begründung für den Einsatz im Dekret über den Ausnahmezustand.

Nachdem bei Straßenbauarbeiten Ende 2017 Gold freigelegt worden war, kamen immer mehr Menschen sowohl aus Ecuador als auch aus anderen Ländern Südamerikas auf der Suche nach Einkommen nach Buenos Aires. Dort lässt sich das Gold besonders einfach und selbst mit unprofessionellen Gerätschaften abbauen, da es in relativ geringer Tiefe unter der Erdoberfläche liegt. Dabei kommen hochgiftige Stoffe wie Quecksilber und Blausäure zum Einsatz, die die Böden über Jahrzehnte vergiften.

Laut Schätzungen wurde in der Gemeinde zuletzt monatlich Gold im Wert von 500.000 Dollar abgebaut. Von diesem Geld sehen weder der Staat noch die großen Bergbauunternehmen etwas. Der Vorwurf der »Illegalität«, der Menschenrechte und des Umweltschutzes dient der Regierung des rechten Präsidenten Lenín Moreno nun dazu, die Strukturen der Bergarbeiter zu zerschlagen. Zwar versuchten diese Anfang des Jahres, sich mit der Gründung der »Minera Buenos Aires S. A.« eine legale Form zu geben. Das zuständige Ministerium lehnte eine Anerkennung der Bergbauaktivitäten allerdings ab.

Ein Grund dafür dürfte darin liegen, dass die Ausbeutung der Bodenschätze auf dem Gebiet der Gemeinde Buenos Aires allein der Hanrine Ecuadorian Exploration and Mining S. A. obliegt. Das australisch-kanadische Unternehmen bekam die Konzession für den Abbau der Rohstoffe 2017 zugesprochen – kurz nach Morenos Amtsübernahme. Ecuadors Präsident setzt seit dem Beginn seiner Präsidentschaft Ende Mai 2017 verstärkt auf die Durchsetzung extraktiver Großprojekte wie Bergbau oder Erdölförderung. Zu diesen gehört auch das direkt an Buenos Aires angrenzende Prestigeprojekt Cascabel, in dem das australische Unternehmen Sol-Gold ab 2021 schätzungsweise 9,5 Millionen Tonnen Kupfer, 20,3 Millionen Unzen Gold und 84,5 Millionen Unzen Silber abbauen könnte. Wurden die dadurch vom Staat gewonnenen Steuergelder unter seinem Vorgänger Rafael Correa noch teilweise in die Finanzierung von Sozialprogrammen gesteckt, strich Moreno viele der Hilfsprojekte der Vorgängerregierung.

Die Situation in Buenos Aires wird wohl auch deshalb von der Regierung so entschieden bekämpft, da sie multinationale Unternehmen als mögliche Investoren abschrecken könnte. Am Dienstag betonte Innenministerin María Paula Romo, man werde so lange in der Gemeinde bleiben, »bis alle illegalen Aktivitäten aufhören«. Für den Vizebergbauminister Fernando Benalcázar, der dem Land einen »Bergbauboom« voraussagt, existieren jedoch noch weitere Risiken für die Entwicklung des südamerikanischen Landes. Dazu zählt er neben dem »illegalen« Bergbau auch die »Consultas Populares«, die vorherige Konsultation der Bevölkerung in den von extraktiven Projekten betroffenen Gemeinden.

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