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Aus: Ausgabe vom 28.06.2019, Seite 8 / Ansichten

Downer des Tages: 39 Kilo Koks weg

Von Frederic Schnatterer
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Noch lachen sie: die Teilnehmer des G-20-Gipfels in Osaka, Japan

Schlechte Nachrichten für die Teilnehmer des heute im japanischen Osaka beginnenden G-20-Gipfels. Am Mittwoch wurde ein zur persönlichen Truppe des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro gehörender Soldat bei einem Zwischenstopp im spanischen Sevilla mit 39 Kilogramm Kokain im Gepäck verhaftet. Dabei stellte er sich auch noch besonders doof an – wurde er doch nur erwischt, weil sein Koffer Übergewicht hatte. Bolsonaro? War das nicht der auf keinen Fall schwule Mann, der mit harter Hand gegen alle Übel, also auch gegen die Drogen vorgehen wollte, die sein geliebtes Brasilien von innen heraus zerstören? Egal.

Denn viel interessanter, als darüber zu spekulieren, ob der Chef des Soldaten vom aufputschenden Übergepäck wusste, ist, wohin die Reise mit dem weißen Gold ging und für wen die Fracht bestimmt war. Und – wer hätte es gedacht – der Drogenschmuggler war auf dem Weg nach Japan. Zwar in einem anderen Flieger als sein Oberbefehlshaber, das Ziel war allerdings dasselbe.

Nun ist allgemein bekannt, dass nicht nur in Berliner Technoclubs, sondern auch in Kreisen gutbetuchter Börsianer und in den Chefetagen der großen Konzerne der Kokainkonsum zum guten Ton gehört. Neben diesen Hotspots gibt es aber auch noch andere Orte, an denen die künstlich erzeugte Leistungssteigerung schwer in Mode ist. Dazu gehört auch der Reichstag, auf dessen Toiletten immer wieder Spuren des weißen Pulvers nachgewiesen wurden.

Die Festnahme des brasilianischen Soldaten ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein Downer für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens der 20 mächtigsten Staaten – denn in Osaka dürften am Wochenende 39 Kilo Koks fehlen. Ob das dazu führt, dass die Entscheidungen der Mächtigen besser ausfallen, darf jedoch – leider – bezweifelt werden.

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