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Aus: Ausgabe vom 27.06.2019, Seite 10 / Feuilleton
Kino

So zu tun, als ob

Der Animationsfilm »Pets 2«
Von Peer Schmitt
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Warum ist das Leben so gefährlich, droht denn immer Gefahr? Können Cartoons dich angreifen? Oder Tiere? Auch domestizierte? Nun ja, entweder bist du blöd genug, ohne autorisierten Führer in die Wildnis zu gehen, oder du bist zum Beispiel ein Haustier und übersiehst das Hinweisschild, das die Grenze des Hauses wie der Zivilisation markiert: »Wir müssen leider draußen bleiben.« Domestizierung zeichnet sich nicht zuletzt durch Aussperrung aus.

All das – Cartoons (tierische und menschliche), die Gefahren der Wildnis und der Häuslichkeit, die Aussperrung, die Autorität und die Angstneurosen – gibt es in dem Animationsfilm »Pets 2«, der, wie kann es anders sein, Fortsetzung von »Pets« (im Original: »The Secret Life of Pets« 1 und 2). Der Film soll für die lieben Kleinen gedacht sein und handelt angeblich vom Doppelleben ihrer vierbeinigen Freunde. Visuell ergeht er sich allerdings in Zitaten, die weder die einen noch die anderen erkennen können: »Die Großstadthelden« (»City Slickers«, 1991) »Shining« (Stanley Kubrick, 1980), »Die Nacht des Jägers« (Charles Laughton, 1955), »Harold und Maude« (Hal Ashby, 1971) etc. Die Zitate haben eine gewisse Selbstgenügsamkeit.

Der Grundgedanke von »Pets« ist, ähnlich wie in der »Toy Story«-Reihe, dass sämtliche Domestizierte außer Rand und Band geraten, sobald die Autorität (der Haustierhalter) außer Haus ist.

Die Erzählerfigur ist ein Schoßhund, Max, der – zu Recht oder zu Unrecht – überall Gefahren sieht und deshalb vor allem Angst hat. Das ängstliche Tier wird wider Willen auf eine Landpartie geschickt und von einem weisen Hofhund therapiert: »Der erste Schritt, keine Angst zu haben, ist, so zu tun, als hätte man keine Angst« (ein Unterschied zum »als ob« ist nicht zu machen).

Was genau allerdings so allgemein beängstigend erscheint, zeigt dann eine Parallelhandlung, in der ein Hauskaninchen zum Superhelden (mit Cape, Maske usw.) wird, um einen weißen Babytiger aus den Fängen eines sadistischen Zirkusdirektors zu befreien, der Sergej heißt und (zumindest in der Originalversion) mit russischem Akzent spricht.

Ein böser Russe in schwarzer Pelzkluft mit einer Peitsche in der Faust und einem Wolfsrudel als Polizeikohorte. Das gehört dann wohl in den Bereich der politischen Fabel. Der Wolf ist des Wolfes Mensch. Oder so ähnlich.

»Pets 2«, Regie: Chris Renaud, USA 2019, bereits angelaufen

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