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Aus: Ausgabe vom 24.06.2019, Seite 16 / Sport
Basketball

Kurz, aber heftig

Starke Vorrunde der 3x3-Basketballerinnen bei den Europaspielen
Von Jens Walter

Die Hitze in der Palowa-Arena in Minsk stand den deutschen 3x3-Basketballerinnen ins Gesicht geschrieben. Mit ihrem pitschnassen Trikot wischte sich Satou Sabally den Schweiß von der Stirn, als sie nach dem makellosen Gruppenabschluss bei den Europaspielen endgültig eine Medaille ins Visier nahm. »Das ist auf jeden Fall möglich. Wir wollen ganz weit oben mitspielen«, sagte die 21jährige – und sprach damit zugleich die Marschroute für die kommenden Jahre aus.

Deutschland will sich in der ab 2020 olympischen Variante des klassischen Basketballs möglichst schnell einen Namen machen und setzt daher in Belarus auf vier A-Nationalspielerinnen, die international zwar über wenig 3x3-Erfahrung verfügen, aber individuell viel Klasse mitbringen. Die anstehenden Sommerspiele in Tokio sind das erklärte und kurzfristige Ziel, ein Jahr vor dem Startschuss in der japanischen Hauptstadt soll beim Multisport-Event in Minsk die Grundlage für die noch anstehenden Qualifikationsturniere gelegt werden. »Die Europaspiele bedeuten für uns, eine große Chance zu bekommen«, sagte die 1,84 Meter große Sabally, »der deutsche Frauenbasketball ist nicht so auf dem Radar. Wir können hier international Erfahrung sammeln und uns auf Olympia vorbereiten.«

In Minsk gelang das bisher sehr eindrucksvoll: Nach klaren Siegen gegen Rumänien (21:8), Ungarn (19:9) und Tschechien (21:14) zog die Auswahl des Deutschen Basketballbundes (DBB) als Gruppenerster ins Viertelfinale am Montag ein, ein mögliches Endspiel würde noch am gleichen Tag stattfinden. Disziplinchef Matthias Weber ist optimistisch. Der DBB-Coach und sein Team, in dem neben Sabally Sonja Greinacher (26), Svenja Brunckhorst (27) und Ama Degbeon (23) spielen, seien »sehr stolz auf das Geleistete und wollen unbedingt weiter erfolgreich im Turnier sein«, sagte Weber.

Die DBB-Mannschaft traf in den bisherigen drei Partien nicht nur in Person von Shooting Guard Sabally äußerst sicher, sondern spielte auch bei den Rebounds ihre physische Stärke aus – ein großer Vorteil beim »professionellen Streetbasketball«, der einige Parallelen und doch viele Unterschiede zur Muttersportart aufweist. Gespielt wird in nur einer Hälfte des Feldes, beide Teams werfen auf den gleichen Korb, und die Duelle sind kürzer. Ein Treffer bringt einen Punkt, von hinter der Dreierlinie zwei. Wer zuerst 21 erreicht hat oder nach zehn Minuten führt, hat gewonnen. Die Spiele sind damit kurz, aber sehr intensiv.

Die Zuschauer in Minsk honorieren das. In der kleinen Arena am Swislatsch war es schon bei den Gruppenspielen stimmungsgeladen und laut. »Beim Drei-gegen-drei geht es mehr um den Willen. Gerade in den letzten drei Minuten muss man voll durchziehen. Das spielt eine große Rolle, aber unser Wille ist besonders groß«, sagte Sabally, die als riesiges Talent gilt und in ihrem Geburtsland USA spielt. Mit ihrem Team von der University of Oregon schaffte sie es bis ins Halbfinale der »March Madness«. Wie ihre drei Mitspielerinnen ist sie ursprünglich in der klassischen Variante Fünf-gegen-fünf beheimatet, gemeinsame Turniererfahrung beim 3x3 gab es nicht – für das Quartett kein Problem: »Ich spiele das, seitdem ich ein Kind bin. Jetzt sind eben Regeln dabei«, sagte Sabally.

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