Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 29.06.2019, Seite 5 / Inland
Umstruktuierungsprogramm

Betriebsrat kritisiert Pläne von BASF

Chemiekonzern will 6.000 Stellen weltweit streichen. Einen großen Teil davon in Ludwigshafen
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Aufs Wachstum kommt es an: BASF-Vorstandsvorsitzender Martin Brudermüller (Ludwigshafen, 20.11.2018)

Der BASF-Betriebsrat übt Kritik an dem geplanten Stellenabbau bei dem Ludwigshafener Chemiekonzern. Die Beschäftigtenvertretung könne es nicht nachvollziehen, welche Arbeit wegfallen solle, sagte Betriebsratschef und stellvertretender BASF-Aufsichtsratschef Sinischa Horvat am Donnerstag abend. »Solange das nicht nachgewiesen wird, bestehen wir auf Wiederbesetzung freiwerdender Stellen.« Auch von der Höhe des geplanten Stellenabbaus sei der Betriebsrat überrascht.

Weltweit sollen bei dem Chemieriesen bis Ende 2021 insgesamt 6.000 Stellen wegfallen, wie das Dax-Unternehmen am Donnerstag in Ludwigshafen mitteilte. Das sind knapp fünf Prozent der global 122.000 Menschen, die BASF Ende 2018 beschäftigt hat. Ungefähr die Hälfte der Stellen soll in Deutschland wegfallen, der überwiegende Teil am Heimatstandort Ludwigshafen, wie ein Sprecher sagte. Dort zählte BASF Ende 2018 knapp 40.000 Beschäftigte.

Der Betriebsrat wolle nun mit dem Unternehmen in Verhandlungen über eine Fortführung der bestehenden Standortvereinbarung einsteigen. Ziel sei es, im ersten Halbjahr 2020 eine neue Vereinbarung zu unterzeichnen, hieß es in einer Mitteilung. In Ludwigshafen sind nach der aktuellen und bis Ende 2020 gültigen Standortvereinbarung betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

Bei den Gesprächen wollen die Arbeiter ihren Schwerpunkt unter anderem auf den weiteren Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen legen. Zudem sollten der Standort Ludwigshafen und die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung dort ausgebaut werden. Angestellte, deren Tätigkeit durch Digitalisierung oder Automatisierung entfalle, müssten eine Beschäftigungsgarantie erhalten und zeitnah eine geeignete neue Aufgabe bekommen. Außerdem sollten Stellen, die altersbedingt freiwerden, zu 100 Prozent wieder besetzt werden. Der Betriebsrat warnte zudem vor der Gefahr »unangemessener und dauerhafter Arbeitsverdichtung«.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) erwartet 2019 einen Umsatzrückgang von 2,5 Prozent. Grundsätzlich reagiert die Chemiebranche als Lieferant etwa für die Auto-, Bau- und Kosmetikindustrie früh auf Konjunkturschwankungen und hatte schon Ende 2018 vor »Rückschlägen« gewarnt. BASF-Finanzchef Hans-Ulrich Engel hatte kürzlich festgestellt: »Wir befinden uns insgesamt in einem schwierigeren Fahrwasser, als wir das im Februar erwartet haben.« Im Februar waren die Zahlen für 2018 vorgelegt worden. Das bereits im November angekündigte Umstrukturierungsprogramm soll ab Ende 2021 jährlich zwei Milliarden Euro zum operativen Gewinn (Ebitda) beisteuern.

Kosten einsparen will BASF-Chef Martin Brudermüller etwa in der Produktion, Logistik, Forschung und Entwicklung. Außerdem verkauft BASF Teilbereiche. Gleichzeitig schließt der Konzern nicht aus, in den kommenden Jahren wieder zusätzliche Angestellte zu benötigen, etwa in der Produktion oder für das Thema Digitalisierung – »jedoch abhängig von zukünftigen Wachstumsraten«. (Reuters/dpa/jW)

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