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Aus: Ausgabe vom 17.06.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

»Schon immer Profi«: Eisern Union, Kommerz und DFB-Pokal

Von Uschi Diesl
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Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen?

Als am Sonnabend im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund die erste Runde des DFB-Pokals ausgelost wurde, waren die Foren der Fans des 1. FC Union Berlin noch randvoll mit moralischen Bedenken hinsichtlich des neuen Hauptsponsors »Aroundtown SA«. Am Freitag hatte Union-Präsident Dirk Zingler den »Partner, mit dem uns bereits eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verbindet«, als neue Hauptgeldquelle präsentiert: »deutliches Bekenntnis«, »freuen uns« und so weiter.

Bei Aroundtown handelt es sich um einen Immobilienkonzern mit Sitz in Luxemburg. Er ist börsennotiert, die Fondsgesellschaft Blackrock hält ein größeres Aktienpaket. Im ersten Quartal 2019 besaß Aroundtown nach eigenen Angaben in Berlin Anlageimmobilien im Wert von mehr als 2,6 Milliarden Euro. Der Gesamtwert aller Objekte wurde auf über 14,8 Milliarden Euro beziffert. Zur Vertrauensbildung beim Traditionsverein kam es über die Unternehmenstochter »Grand City Properties« (GCP), die in den vergangenen zwei Jahren Unions A- und B-Junioren unterstützte. GCP macht in Wohnimmobilien. Etwa ein Drittel des Portfolios liegt in Treptow-Köpenick.

Für geschätzte ein bis zwei Millionen Euro werben die Eisernen nun also in ihrer ersten Bundesligasaison auf Trikots und »TV-relevanten Werbeflächen« für die Miethaie. »Union war schon immer ein Profisportverein«, erklärte Präsident Zingler in Welt am Sonntag den Bedenkenträgern: »Wir haben seit sechs Jahren 27 VIP-Logen und 1.500 Business-Seats.« Sorgen vor exzessivem Kommerz in der Alten Försterei räumte er mit dem Hinweis auf den Erfolg aus: »In den letzten zehn Tagen sind 5.000 neue Mitglieder in den Verein eingetreten. Das tun sie nicht aus Sorge vor Kommerzialisierung«. Sondern aus Freude daran?

Vielleicht müssen Fans jetzt also Trikots mit dem Logo der Firma tragen, die sie aus ihren Wohnungen schmeißt. Dafür können sie in der ersten DFB-Pokalrunde die Schönheiten des Harzvorlandes genießen. Es geht zum Verein für Breitensport Germania Halberstadt. »Ich stand am Grill, als uns das Los beschert wurde. Es gibt nichts Schöneres«, sagte der Präsident des VfB, Erik Hartmann.

Ansonsten muss Bayern München in der ersten Runde zu Energie Cottbus. Dort wurde bei der Jahresversammlung der Mitglieder am Freitag abend der RBB ausgeschlossen, woraufhin die Lausitzer Rundschau am Sonnabend mit weißen Flächen statt des Berichts über die Versammlung erschien. »Es geht nicht an, dass der FCE bewusst und nach Nase abstraft und sich aussucht, wer gerade genehm ist«, kommentierte Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer.

In weiteren Pokalduellen reist Bayer Leverkusen zu Regionalligist Alemannia Aachen, Jugendklub von Kai Havertz, im Norden kommt es zum Duell zwischen Oberligist Atlas Delmenhorst und Werder Bremen, Traditionsklub 1. FC Kaiserslautern trifft im Rheinland-Pfalz-Derby auf den FSV Mainz 05, und Rheinlandligist FSV Salmrohr, als Sechstligist klassentiefs­ter Klub im Topf, wurde Zweitligist Holstein Kiel zugelost. Salmrohr war nur aufgrund der besseren Tordifferenz nicht in die 7. Liga abgestiegen und hatte sich im Landespokalfinale gegen die TuS Koblenz durchgesetzt.

Zum Abschluss dürfen Sie dreimal raten, auf wen Kevin Großkreutz mit dem KFC Uerdingen in der Pokalrunde trifft. »Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa«, schrieb der Weltmeister von 2014 auf Instagram, »so schließt sich der Kreis. Ich spiele nicht nur gegen Freunde, sondern gegen meine Familie.«

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