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17.06.2019
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Im Fluss
Die deutsche Parteienlandschaft ist im (Ab-)Fluss. Das Snapchat-Prinzip von zehn Sekunden Lebensdauer setzt sich durch, Fakten behalten ihre Gültigkeit längstens bis zum nächsten Umfragetrend. In der Wählergunst führt aktuell die Rezo-Partei (Vernichtung der CDU), gefolgt von der Elektroroller-Partei und der FFF-Bewegung, die sich noch bedeckt hält, was ihre Bundestagsambitionen angeht. Sie will zunächst mal in Hamburg das Abiturprüfungsfach Mathematik ersetzen. »Rechtschreibung nach Gehör« könnte in einem weiteren Schritt an die Stelle des Fachs Deutsch treten.
Auf Rang vier in den Umfragen liegt die Robert-Habeck-Sekte. Ihr Führer käme allerdings auch als neuer Kennedy oder Kaiser von Deutschland in Betracht.
Im Absturz befinden sich die »Volksparteien«. Die drei ältesten Bundesbürger, Frau Meier (107), Herr Schmidt (189) und Frau Schulze (203) halten unverbrüchlich zur SPD, jedoch nur, wenn zeitnah das Trio Malu Dreyer, Malu Vyrer, Malu Fynfer plus Malu Schäfer-Gumbel die Parteigeschicke lenkt.
CDU, FDP und Linke sollen nach einem Vorschlag von Oskar Lafontaine mit Beate Uhse fusionieren und nach einer Testphase bei Aldi Nord als umweltfreundliche Obst- und Gemüseverpackung die Plastiktüten ersetzen (Kosten: ein Cent). Die Markteinführung soll durch Präsenz in der neuen Dokusoap »Partei sucht Wähler« (RTL) unterstützt werden.
Das »Restreich« wird unter AfD (mittlerweile aufgespalten in DAF, FaD, ADf) und den Grünen (liegen in aktuellen Umfragen bei 143,5 Prozent) aufgeteilt. Sachsen könnte sich der Visegrad- Staatengruppe anschließen und langfristig die Euro-Zone verlassen (»Saxit«).
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