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Aus: Ausgabe vom 15.06.2019, Seite 8 / Abgeschrieben

Elif Demirci verstorben

Der Kölner Solidaritätskreis »Freiheit für Adil Demirci« teilte am Freitag mit:

Es war der 60. Tag der Mahnwache für die Freilassung von Adil Demirci. So wie jeden Mittwoch wollte sich der Solidaritätskreis am Abend zur Mahnwache am Wallrafplatz treffen. Doch am Morgen des 12. Juni erschütterte die Nachricht über den Tod der Mutter Adil Demircis Familie, Freunde und Unterstützer des Solidaritätskreises. Sie ist um 9.28 Uhr an den Folgen ihrer Krebserkrankung verstorben.

Die Mutter Demircis, Elif Demirci, litt seit über zwei Jahren an Krebs. Im April 2018 reiste sie gemeinsam mit ihrem Sohn Adil nach Istanbul, um sich für eine Woche von ihren ärztlichen Behandlungen erholen zu können. Für beide war dieser Urlaub alles andere als eine Erholung. Es begann der größte Albtraum im Leben der Familie Demirci. Einen Tag vor der Rückkehr nach Deutschland wurde Adil Demirci in Istanbul verhaftet. Seine Mutter war zutiefst schockiert, als sie am Morgen nach der Verhaftung ihres Sohnes von den Umständen erfuhr. Nachdem Demirci am 14. Februar 2019 das Gefängnis verlassen durfte, wurde für ihn eine Ausreisesperre nach Deutschland verhängt. In der Zeit, als Adil Demirci in Haft war, besuchte ihn seine Mutter dreimal. Da sich ihr Gesundheitszustand mit der Zeit zunehmend verschlechterte, konnte sie kaum mehr nach Istanbul reisen, um ihren Sohn zu sehen. Im Mai 2019 besuchte die Mutter ihren Sohn das letzte Mal in Istanbul. Trotz massiver Schmerzen und Einschränkungen nahm sie die Strapazen der Reise auf sich, da sie große Sehnsucht nach ihrem Sohn Adil hatte. (…) Immer wieder machte sich Elif Demirci Vorwürfe, überhaupt mit ihrem Sohn nach Istanbul gereist zu sein und wünschte sich, das Geschehene ungeschehen zu machen.

Elif Demirci kämpfte bis zum letzten Augenblick gegen ihre Krebserkrankung an. Ihr Ziel war es, zumindest solange durchzuhalten bis ihr Sohn wieder nach Deutschland zurückkehren darf. Diese Hoffnung und diese Zuversicht hielten die Mutter Demircis auf den Beinen, gaben ihr Kraft und Widerstandsfähigkeit. Familie und Freunde bedauern um so mehr, dass der Wunsch der Mutter Demircis unerfüllt blieb und sie sich nicht von ihrem Sohn Adil hatte verabschieden können.

Adil Demirci bemüht sich weiterhin gemeinsam mit seinen Anwälten darum, die Aufhebung der Ausreisesperre zu erwirken, um wenigstens an der Beerdigung seiner Mutter teilnehmen zu können. Der Solidaritätskreis hofft, dass dem Antrag Adil Demircis zeitnah stattgegeben wird, damit er an der Beisetzung seiner Mutter teilnehmen und im Kreise seiner Familie trauern kann.

Auch wenn nichts und niemand Mutter und Sohn die verlorene, gemeinsame Zeit zurückgeben kann, ist es an der Zeit mit größtem Nachdruck für die Aufhebung der Ausreisesperre Demircis zu plädieren und diese stattzugeben! Kein Richter, kein Gericht und keine Regierung können die Wunden der Familie Demirci überhaupt noch heilen. Willkürliche Justiz und fadenscheinige Argumente für die Gefangenschaft Demircis sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass eine Mutter mit der unerfüllten Sehnsucht nach ihrem Sohn versterben musste! Der Solidaritätskreis »Freiheit für Adil Demirci« wünscht der Familie viel Kraft in diesen schweren Tagen und spricht sein aufrichtiges Beileid aus!

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