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Aus: Ausgabe vom 12.06.2019, Seite 8 / Ansichten

»Stasi«-Aufschäumer des Tages: Hubertus Knabe

Von Arnold Schölzel
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Regelmäßig stellen Deutsche, also mehr Erdichter als Denker, Grundsatzfragen. Wer daher die Buchstabenkombination »IM Erika«, was für »Inoffizielle Mitarbeiterin des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS) Erika« steht, bei Google eingibt, erhält mehr als 90.000 Einträge, mehr als 90 Millionen, wenn er die Tüttelchen weglässt. Google stellt unter der Rubrik »Nutzer fragen auch« das an die erste Stelle: »War Angela Merkel ein Mann?« Wer nachschaut, erhält die Namen ihres ersten und zweiten Ehemannes. »Künstliche Intelligenz« ist seriös. Ernsthaft ist auch Cora Stephan, die sich in Springers Welt schon 2013 die Rübe machte: »Werden wir von der SED regiert?« Denn »IM Erika« soll der MfS-Deckname für Angela Kasner, verheiratete Merkel, gewesen sein. Oder ist es noch. Die »Zonenwachtel« – eine »Stasi«-Schläferin? Die Bundesrepublik hat nicht die DDR übernommen, sondern umgekehrt? Millionen »IM Erika«-Fachleute können nicht irren.

Oder doch? Der neulich unter Mitwirkung des Kanzleramtes vom Chefsessel der »Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen« vertriebene Dr. Hubertus Knabe und die FAZ zweifeln. Das Blatt räumte am Dienstag eine Seite frei, um ihn fragen zu lassen: »Was ist dran an ›IM Erika‹?« Knabes Antwort ähnelt der zum wahren Geschlecht der Kanzlerin: Nichts dran, beweist aber nichts. Oder: Im Prinzip gibt es Angela Merkel, aber ich sag nicht, wie viele sie ist. Denn: Knabe, der gefeuerte Fließbandfabrikant aus der »Stasi«-Industrie lässt sich von Amateuren nicht das Geschäft kaputtmachen. Er schäumt nur deren Schwachsinn auf. Und die »Zeitung für Deutschland« druckt es. Warum? Sie nimmt sich erneut den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) wegen seiner Forderung nach Ende der Russland-Sanktionen zur Brust. Die Umbenennung in »Zeitung für US-Interessen« wird unter den Herausgebern erörtert.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • A. B., Berlin: Sehr ernst Warum druckt die FAZ den »aufgeschäumten Schwachsinn von Amateuren aus der ›Stasi‹-Industrie« auf einer ganzen Druckseite ab, fragt Arnold Schölzel und legt dem Leser nahe, dass es um das Abwatschen v...

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