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Aus: Ausgabe vom 08.06.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Programm klären

Zu jW vom 31.5.: »Rechter geht immer«

Es ist schon stark, den »ehemals stolzen PCF« im Zusammenhang mit der Tierschutzpartei zu erwähnen, ohne für das schlechte Ergebnis der französischen Kommunisten bei den EU-Wahlen eine Erklärung zu geben. Der PCF kandidierte zum ersten Mal seit zwölf Jahren mit einem eigenen Kandidaten. Parteiintern rechnete man mit einem schwachen Ergebnis, anvisiert waren circa drei Prozent. Hinzu kam das weitgehende mediale Schweigen über diese Kandidatur, so dass dem Kandidaten Ian Brossat eine breite Unterstützung offenbar fehlte. Weiterhin wird in dem Artikel lang und breit über die französische Rechte informiert, aber die ebenfalls schlechten Ergebnisse der »France insoumise« (FI) fehlen völlig.

2017 hatte Jean-Luc Mélenchon als Präsidentschaftskandidat des »Front de gauche« noch knapp 20 Prozent erhalten, bei der Kandidatin der »France insoumise«, Manon Aubry, waren es jetzt nur noch 6,7 Prozent. Das ist ein starker Einbruch. (…) Man hat die »France insoumise« für den Erfolg des »Front de gauche« bezahlen lassen: durch juristische Verfolgung von Personen der Parteiführung und mediale Diskreditierung von Mélenchon als Populisten. Hinzu kam, der Wahlkampf der FI war wenig offensiv, es war zum Beispiel nicht mehr die Rede von einem »Plan B« gegen die EU. Auch der Slogan des PCF, »L’Europe des gens« (Das Europa der Leute), riss niemanden vom Hocker. Unter diesen Umständen war es für die grüne Partei EELV einfach, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Seit Monaten wird die öffentliche Meinung mit Umweltfragen bearbeitet, dafür hat Präsident Emmanuel Macron gesorgt. Die Stimmen für die Grünen nutzen dem neoliberalen System der EU, das nun etwas grüner getüncht wird, bis hin zu einer Auflösung der Nationalstaaten.

»France insoumise« und PCF getrennt werden kaum eine Zukunft haben. Aber ein erneutes Zusammengehen in einem neuen »Front de gauche« könnte nur dann Erfolg haben, wenn die Programmatik geklärt wird (…). Eine EU-Euphorie wie in Deutschland gibt es in Frankreich nicht. Der französischen Bevölkerung scheint viel klarer zu sein, dass sie ihr Sozialsystem nur beim Nationalstaat einfordern kann, und den will sie behalten.

Sigrid Krings, per E-Mail

Gipfel der Beleidigung

Zu jW vom 6.6.: »Weit weg vom Frieden«

Wladimir Putin und damit Russland nicht zu den Feierlichkeiten zum »D-Day« einzuladen, ist eine nicht mehr zu toppende Provokation. Das ist der Gipfel der Beleidigung eines Staates, der bei weitem die Hauptlast des Kampfes gegen Hitlerdeutschland und seine faschistischen Verbündeten im Zweiten Weltkrieg getragen hat. Die »Invasion« (…) wäre ohne die sowjetische Sommeroffensive steckengeblieben. (…) Die Rote Armee marschierte von Ende Juni bis in den August 600 Kilometer nach Westen, während die Anglo-Amerikaner erst nach zwei Monaten aus ihren Brückenköpfen in der Normandie ausbrechen konnten. Daher wird dieser große Sieg der Roten Armee von der US-NATO-EU-Propaganda sowie von den entsprechenden »Historikern« kleingeredet oder totgeschwiegen.

Kleine Anmerkung: Die Franzosen haben spezielle Probleme, die Leistungen der Roten Armee, vor allem aber der sowjetischen Partisanen, anzuerkennen. Das kommt daher, dass die katastrophalen Leistungen ihrer Streitkräfte im Jahr 1940 (…) sowie eine umfassende Kollaboration durch die Glorifizierung der Résistance schöngeredet werden müssen. Die Résistance kann sich von den sowjetischen Partisanen mehr als eine Scheibe abschneiden!

Thomas Pelte, Berlin (über die Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Miteinander stark

Zu jW vom 6.6.: »Weit weg vom Frieden«

Was die Darstellung der militärischen Lagen und Maßnahmen betrifft, stimme ich Thomas Pelte zu. Genauso empfinde ich es als absolute politische Provokation, nicht die Vertreter Russlands zum »D-Day-Gedenken« einzuladen, dafür die Galionsfigur des wiedererstandenen deutschen Militarismus. Nicht einverstanden bin ich mit der Abwägung des russischen Partisanenkampfes gegen die französische Résistance. Weshalb zwei Kräfte, die unter Einsatz des Lebens gegen die Faschisten kämpften, auseinanderdividieren? Dass beide unterschiedliche gesellschaftliche Voraussetzungen hatten, ist richtig. Aber auch aus den Reihen der patriotischen Franzosen kämpften Piloten und Techniker im deutsch-französischen Geschwader »Normandie« zusammen mit der Roten Armee. Französische Widerstandskämpfer waren an der lebensgefährlichen Zerstörung von »V-2«-Anlagen in Frankreich und Belgien beteiligt, haben auf vielfältige Weise wirksam gegen den deutschen Militarismus gekämpft. Es ist falsch, hier eines gegen das andere aufzuwiegen. Solche Diskussionen sind nicht förderlich, um heutzutage international gegen Imperialismus und Militarismus, wo immer er auftaucht, wirksam zu werden. Nicht gegeneinander, miteinander sind wir stark.

Wieland König, Neustadt in Holstein (über die Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Falsche Äquidistanz

Zu jW vom 3.6.: »Bombenbau stoppen«

Putin und Trump gleichberechtigt und gleich stark und von denselben aggressiven Zielen motiviert mit gleich großen Bomben an einem Tisch sitzend, als ob die jeweiligen Bomben dieselben seien – solch ein Foto von einer Aktion der Friedensbewegung mit einem gleichgültigen Untertext ohne politischen Kommentar zu veröffentlichen halte ich für äußerst kritikwürdig. Der INF-Abrüstungsvertrag wurde von den USA gekündigt. Das militärische Potential der USA ist zehnmal stärker als das Russlands (…). Es würde der Friedensbewegung guttun, wenn sie Russland nicht nur als ihren Partner im Bemühen um Frieden würdigte, sondern auch einsehen könnte, dass die kriegerischen Reflexe der USA unter anderem gegen Russland zielen. Russland und damit seinem Präsidenten Wladimir Putin müsste eigentlich Solidarität entgegengebracht werden, statt ihn in verlogener Äquidistanz der Lächerlichkeit preiszugeben. (…)

Beate Brockmann, Praelo/Italien

Die Stimmen für die Grünen nutzen dem neoliberalen System der EU, das nun etwas grüner getüncht wird, bis hin zu einer Auflösung der Nationalstaaten.

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