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Robotertreue

Von Rafik Will
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Stets zu Diensten: Stevie II, Irlands erster sozialer Pflege-Roboter

Lucrecia Dalt und Jenny Hval bringen »Außerirdische Mikroben und Vampire« (SWR/E-Werk Freiburg 2017/19; Ursendung Di., 23 Uhr, SWR 2) ins Radio und stellen die Frage, was Graf Dracula mit Menstruationsblut zu tun hat und ob Gedanken durch Bakterien fremdbestimmt werden können. Dass der Mann, der plötzlich vor der Tür steht, womöglich nicht der verlorengegangene Ehemann ist, denkt sich irgendwann auch die ebenfalls nur mutmaßliche Ehefrau. Die verwickelte Story von Melanie Raabes »Die Wahrheit« (NDR 2017; Mi., 20 Uhr, Bayern 2) ist ein geschickt inszeniertes Psychokammerspiel.

Um ein Lagerhaus, das im deutschen Faschismus als Außenstelle des KZ Neuengamme diente, geht es im  »HoPo Express #76: Gespräch zum Dessauer Ufer auf dem kleinen Grasbrook« (Mi., 20 Uhr, FSK). Dazu heißt es im Ankündigungstext, die »Initiative Dessauer Ufer steht dem drohenden Abriss durch HPA oder Hafencity AG bzw. einer Verwertung durch private Investoren samt einer stadthausartigen Privatisierung des Gedenkens entschieden entgegen«. Eine Science-Fiction-Story erzählen Wittmann/zeitblom mit  »@  Wonderworld – Die Story von Alice und Bob« (DLF/SWR 2018; Mi., 20 Uhr, NDR Kultur). In ihr gilt die Devise, dass die Zukunft längst begonnen hat. Ein Stück Richard Wagners zerschnippeln, um es mithilfe des I Ging neu zu ordnen? Warum nicht. Die bewährte Orakelkompositionstechnik vermittelt Reinhard Ermens  »Furtwänglers Götterdämmerung – Dekonstruktion à la John Cage« (SWR 2018; Do., 22 Uhr, SWR 2). Taubheit und Hörspiel bringt Helmut Oehring in  »Stocktaub oder Eurydike und die unkontrollierbare Sehnsucht, den Himmel zu berühren« (DLF Kultur 2018; Ursendung Fr., 0 Uhr, DLF Kultur) zusammen.

»Deutschpop, halt’s Maul!« heißt eine seiner zahlreichen Veröffentlichungen, aber auch im Radio kann man sich hin und wieder über Frank Apunkt Schneiders kritische Begutachtung der deutschen Musikindustrie freuen. Zum Beispiel in »Ästhetik der Verkrampfung vs. Neue Deutsche Befindlichkeit« (Querfunk Karlsruhe; Fr., 8 Uhr, FSK). Der BR indes setzt seine 2013 begonnene, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte/Edition »Judenverfolgung 1933–1945« produzierte dokumentarische Hörspielserie zu den Verbrechen des Faschismus mit vier weiteren Teilen fort, unter anderem mit Quellenmaterial aus Italien, Griechenland, Albanien, Bulgarien, Rumänien und der Slowakei: »Die Quellen sprechen« (BR 2019; Ursendung Fr., 21 Uhr, Bayern 2). Flankierend hierzu empfiehlt sich Ulrich Gerhardts Interviewreihe  »Die Quellen sprechen – Diskurse« (BR 2013; Sa., 15 Uhr, Bayern 2).

Über einen Krimi um den Ermittler mit dem sprechenden Namen Glut kann man sich in Lukas Holligers  »Verfluchte Hitze« (SRF 2018; Fr., 22 Uhr, SWR 2) freuen. Holliger verknüft die Story mit zahlreichen Ereignissen aus dem Jahr 1983 und macht einen echten Agentenkrimi daraus. Nicht verpassen sollte man Dino Buzzatis Hörspiel  »Die Festung« (Rundfunk der DDR 1984; Fr., 22 Uhr, RBB Kultur). Darin geht es um die Unsinnigkeit militärischer Befehlsketten und Kadavergehorsam. Fröhlicher gestaltet sich der Verlauf von Stanislaw Lems »Der getreue Roboter« (Rundfunk der DDR 1980; Sa., 0 Uhr, DLF), in dem das Verhältnis von Diener und Herr auf den Kopf gestellt wird. Abgesehen von Josef Maria Schäfers’ »Idylle« (DLF Kultur/WDR 2019; Ursendung Sa., 19 Uhr, WDR 3 und Wdh. So., 17 Uhr, WDR 5), einer literarischen Aufarbeitung einer von der Jagd auf Terroristen geprägten Kindheit, ist Klassikertime: Es laufen Hans Leberts »Die Wolfshaut« (NDR/DLR Berlin/ORF 2005; Teil 1/3 Sa. und Teil 2/3 So., jeweils 14 Uhr, ORF Ö1), Theodor Fontanes  »Effi Briest« (SFB/BR/HR 1974; Teil 1/4 Sa., 20 Uhr, DLF) und Truman Capotes  »Die Grasharfe« (NWDR 1953; So., 17 Uhr, SR2 Kulturradio).

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