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Aus: Ausgabe vom 04.06.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Konzentration in der Chipindustrie

Infineon will US-Konkurrenten kaufen

Übernahme soll bayerischen Chiphersteller weltweit auf Platz acht befördern
Von Bernd Müller
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Steuerchips von Infineon werden unter anderem in Ladestationen für Elektrofahrzeuge verbaut

Der Chiphersteller Infineon mit Sitz im bayerischen Neubiberg wagt erneut die Übernahme eines Konkurrenten in den USA. Der geplante Zukauf von Cypress Semiconductor ist mit einem Volumen von neun Milliarden Euro der größte in der Firmengeschichte, und durch ihn würde der Konzern aus Bayern nach eigenen Angaben zur Nummer acht unter den Chipherstellern weltweit aufsteigen. Zugleich sieht sich das Unternehmen als künftige Nummer eins bei Chips für Automobile. Widerstand der US-Behörden muss das Unternehmen offenbar nicht befürchten, ist sich Infineon-Chef Reinhard Ploss sicher. Nach Gesprächen mit Kartell- und Sicherheitsbehörden habe er ein »gutes bis sehr gutes Gefühl«, sagte er am Montag laut Nachrichtenagentur Reuters.

Vor gut zwei Jahren war die von Infineon geplante Übernahme des US-Chipkonzerns und Militärlieferanten Wolfspeed für 850 Millionen US-Dollar gescheitert, weil der Ausschuss der US-Regierung zur Kontrolle von Auslandsinvestitionen (Committee on Foreign Investment in the United States, CFIUS) dadurch die nationale Sicherheit bedroht sah. Bei Cypress gebe es aber keine Produkte, die besondere Exportgenehmigungen benötigten, weil sie beispielsweise im militärischen Bereich zur Anwendung kämen, so Ploss. Zudem habe man sich mit CFIUS nach der Wolfspeed-Angelegenheit »intensiv ausgetauscht« und pflege einen »guten, sehr vernünftigen Dialog«. Er habe den Eindruck, dass auf rationaler Basis entschieden werde. Auch mit Blick auf mögliche Kartellbedenken »sollte es keine Probleme geben«, versicherte Ploss.

Die Aktionäre müssen dem Geschäft aber noch zustimmen. Momentan sind die noch nicht überzeugt. Vor allem der geplante Kaufpreis von 23,85 US-Dollar pro Aktie halten manche für zu teuer. Die Kaufsumme will Infineon bis zu 30 Prozent durch neues Eigenkapital finanzieren, das unter anderem durch die Ausgabe von neuen Aktien hereingeholt werden könnte. Den Rest will das Unternehmen über neue Kredite und aus finanziellen Reserven zahlen.

Bis spätestens Anfang 2020 soll die Übernahme abgeschlossen sein. Die Aufsichtsräte beider Unternehmen haben der Transaktion bereits zugestimmt. Ein entsprechender Vertrag mit dem US-Unternehmen ist einem Bericht von Spiegel Online vom Montag zufolge bereits unterzeichnet worden. Konzernchef Ploss verspricht sich davon einen um rund 1,5 Milliarden Euro steigenden Umsatz sowie jährliche Kostensenkungen von 180 Millionen Euro. Infineon machte im Geschäftsjahr 2017/2018 einen Umsatz von 7,6 Milliarden Euro und fuhr einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro ein.

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