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Aus: Ausgabe vom 01.06.2019, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Bulgarischer Schopska-Salat

Von Ina Bösecke

»Red light« (Bulgarien 2016) ist ein Kurzfilm von Toma Waszarow. Wir erfahren, wie Durchgeknalltheit zu Freundschaft führt. Ein Busfahrer putzt seinen Bus. Dann schaut er auf sein Handy und wirkt total verzweifelt. In der nächsten Szene kommen die Fahrgäste in den Bus, ein alter Opa, eine ältere Dame, eine Frau, ein Mann, zwei junge Typen. Die Reise geht los, es scheint sich um eine Fahrt von einem kleinen Ort zum nächsten zu handeln. An einer Kreuzung steht die Ampel auf Rot. Der Busfahrer hält an. Auch als die Ampel nach langer Zeit immer noch Rot zeigt, weil sie offensichtlich kaputt ist, lässt er sich nicht dazu bewegen weiterzufahren, wie es alle anderen Autofahrer hinter ihm tun. Die Türen macht er auch nicht auf. Die Situation eskaliert. Aber auf einer flauschigen Stufe.

Die ältere Dame bittet und jammert. Der Mann versucht mit Gewalt, aus dem Bus zu kommen, stößt sich aber am Kopf und setzt sich wieder hin. Ein Polizist kommt vorbei und macht auf Obermacho. Interessiert den Busfahrer auch nicht. Der alte Opa fragt, was des Busfahrers Frau am Abend von ihm denken soll. Die ist seit einem Jahr tot, antwortet der Antiheld. Womit der erste Grund seiner Sturheit verraten wäre. Der zweite meldet sich kurz darauf am Telefon. Die Tochter hat gestern vergessen, zum Geburtstag zu gratulieren. Auch die Enkelin gratuliert erst jetzt aus dem fernen Berlin. Beide wollen in den Ferien nach Bulgarien kommen. Jetzt lächelt der Busfahrer und lässt den Motor an. Inzwischen haben sich die Fahrgäste aber schon miteinander angefreundet. Es herrscht ausgelassene Stimmung im Bus. Alle teilen ihre Mahlzeiten, die hauptsächlich aus Obststücken bestehen. Aprikosen aus dem Garten werden herumgereicht sowie Wassermelone. Als der Busfahrer beim nächsten Stopp die Türen öffnet, steigt keiner aus. Und die Moral von der Geschicht? Vergesst Opas Geburtstag nicht!

In Bulgarien essen sie gern Schopska-Salat: Drei Tomaten, eine Gurke, eine Zwiebel, vier entkernte, geröstete und gehäutete rote Paprikaschoten kleinschneiden. Mit 150 g zerkleinertem Schafskäse und fein gehackter Petersilie bestreuen. Mit Essig-Öl-Dressing und Salz und Pfeffer abschmecken. Da es gerade um Salat geht, hier noch eine schöne Variante für den Sommer: Einen halben Kopf Spitzkohl putzen, harten Strunk entfernen. Kohl in einzelne Blätter zerteilen, in ca. zwei Zentimeter breite Streifen schneiden. 250 g jungen Blattspinat verlesen, grobe Stiele entfernen. Dicke Blattrippen aus 250 g Mangold scheiden, Blätter in Streifen schneiden. Ein Bund Rukola verlesen, Stiele abschneiden, Blätter waschen, trocken schütteln. Spitzkohl, Spinat und Mangold in kochendem Salzwasser kurz dünsten. Gemüse abgießen, gut abtropfen lassen. Zwei Knoblauchzehen schälen, mit einem halben TL Salz im Mörser zu Mus zerdrücken. Mit Saft von zwei Limetten, zwei EL Weißweinessig, Pfeffer und sechs EL Olivenöl zu einer dickflüssigen Marinade aufschlagen. Blattgemüse und Rukola in eine Salatschüssel geben und vermischen. Dressing darüberverteilen und unter den Salat heben. Vier Fleischtomaten waschen, in Scheiben schneiden und vier flache Teller damit auslegen. Blattsalat darüberverteilen.

Regio:

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