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24.05.2019, 12:20:04 / Ausland
Brexit

Theresa May gibt auf

Britische Premierministerin kündigt Rücktritt vom Parteivorsitz an. Damit steht auch ein Regierungswechsel bevor
Zum Heulen zumute: Theresa May am Freitag vor ihrem Amtssitz in
Zum Heulen zumute: Theresa May am Freitag vor ihrem Amtssitz in der Downing Street

Die britische Premierministerin Theresa May hat am Freitag ihren Rücktritt angekündigt. Sie werde ihr Amt als Chefin der Konservativen Partei am 7. Juni abgeben, sagte die Politikerin bei einer Rede in London. Ihre Tage als Premierministerin sind damit auch gezählt, denn der Posten des Regierungschefs ist traditionell dem oder der Vorsitzenden der Regierungspartei vorbehalten.

»Es ist und wird immer eine Angelegenheit von tiefem Bedauern für mich sein, dass es mir nicht gelungen ist, den Brexit zu vollziehen«, sagte May in ihrem Statement vor dem Amtssitz in der Downing Street No. 5. Sie habe alles versucht, um eine Mehrheit im Parlament zu bekommen, doch das sei nicht gelungen. Sie kündigte an, die Amtsgeschäfte noch so lange zu führen, bis ein Nachfolger gewählt ist. Das könnte Ende Juli sein.

Drei Mal war May im Parlament mit dem Versuch gescheitert, eine Mehrheit für ihr mit Brüssel ausgehandeltes Austrittsabkommen zu erreichen. Eine bereits angesetzte vierte Abstimmung wird es nun wohl nicht mehr geben. Zuletzt hatte sogar angeboten, über ein neues Brexit-Referendum abzustimmen und Zugeständnisse an die oppositionelle Labour-Partei gemacht. Damit aber verlor sie in ihrer eigenen Partei den letzten Rückhalt.

Mit Brüssel hatte London eine Verschiebung des EU-Austritts bis spätestens zum 31. Oktober geeinigt. Mit dem Regierungswechsel wird jetzt aber ein ungeregelter Brexit wahrscheinlicher.

May hatte mit ihrem Rücktritt bis nach der EU-Wahl gewartet, die in Großbritannien am Donnerstag stattgefunden hat. Ergebnisse liegen noch nicht vor, doch ihrer Konservativen Partei droht am Sonntag abend, wenn die Resultate bekanntgegeben werden, ein böses Erwachen. Die Tories lagen in den Umfragen zuletzt bei sieben Prozent, die rechte Brexit-Partei von Nigel Farage bei knapp 40 Prozent. (dpa/jW)

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