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Aus: Ausgabe vom 24.05.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Sparen lohn nicht

BRD-Wirtschaft leicht erholt

Statistiker geben nach Rezessionsgefahr vorläufig Entwarnung
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Neben Konsumorgien schafft der Baumarkt Illusion von Wirtschaftswachstum

Der Bauboom – der die Preise für Wohnen und Gewerbe extrem treibt – und die Konsumlust der Verbraucher haben die deutsche Wirtschaft zum Jahresanfang wieder auf leichten Wachstumskurs gebracht. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im ersten Quartal 2019 gegenüber dem schwachen Vorquartal um 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Im zweiten Quartal droht nach Einschätzung von Ökonomen allerdings erneut ein Rückschlag.

Die Verbraucher sind wegen gestiegener Einkommen und der Nullzinspolitik der EZB eher in Kauf- statt in Sparlaune. Die Konsumausgaben stiegen um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ein ähnlich starkes Plus habe es zuletzt im Jahr 2011 gegeben, erklärte die Behörde. Die Bauinvestitionen legten um 1,9 Prozent zu.

Zum Wachstum trugen auch gestiegene Investitionen der Unternehmen in Maschinen und andere Ausrüstungen bei. Vom Außenhandel kamen nur geringe Impulse. Durch die USA inszenierte Handelskonflikte belasten die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter zählen, waren rückläufig.

»So erfreulich die Rückkehr des Wachstums zu Jahresbeginn auch ist, eine überzeugende Trendwende zum Besseren markiert sie nicht«, zitiert die dpa den KfW-Experten Klaus Borger. Im zweiten Quartal sei ein Rückschlag zu erwarten, hierfür sprechen vor allem gesunkene Aufträge in der Industrie.

Bereits im zweiten Halbjahr 2018 stand die größte Volkswirtschaft der EU knapp vor einer Rezession – also einen Rückgang der Wirtschaftsleistung über zwei Quartalszeiträume hinweg. Die konnte nur deshalb vermieden werden, weil ein minimales Plus im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2018 ausgewiesen wurde, nachdem das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal geschrumpft war. (dpa/jW)

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