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Aus: Ausgabe vom 23.05.2019, Seite 8 / Ansichten

Abwracker des Tages: Dieter Zetsche

Von Simon Zeise
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Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche

Dieter Zetsche müsste man sein. Als Chef des Daimler-Konzerns die Segel streichen, wenn es haarig wird, und dafür nochmal ordentlich abkassieren. Für das Geld, das Zetsche in den 13 Jahren, die er an der Spitze des Konzerns stand, kassiert hat, könne man 1.000 Autos der Mercedes-A-Klasse erwerben, berichtete das Handelsblatt am Mittwoch. 5,9 Millionen Euro habe der Mann mit dem Schnauzbart 2018 eingestrichen. Ein Ingenieur bei Daimler erhalte jährlich im Schnitt 79.000 Euro. Um mit dem Jahresgehalt des scheidenden Vorstandsvorsitzenden gleichzuziehen, müsste er 74 Jahre lang Dienst tun. 2017 soll Zetsche sogar 171mal soviel eingesackt haben, wie ein Arbeiter im Unternehmen im Durchschnitt verdient hat.

Seit 1976 arbeitete Zetsche für den Daimler-Konzern. Ende der 80er Jahre ging er in verschiedenen Führungspositionen nach Brasilien und Argentinien. Während der Militärdiktatur »verschwanden« in den Daimler-Werken die Betriebsräte – Zetsche kletterte die Karriereleiter nach oben, wurde Vertriebschef in den USA, um als »Sanierer« nach der misslungenen Übernahme von Chrysler die Firmenzentrale in Michigan auszuweiden.

Als Vorstandsvorsitzender konnte er es ruhiger angehen lassen. Die »Schmiergeldaffäre« – zwischen 1998 und 2008 soll Daimler in mindestens 22 Ländern Amtsträger bestochen haben, um Aufträge an Land zu ziehen – endete mit einem popeligen Vergleich: Lächerliche 138 Millionen Euro flossen aus Stuttgart an US-Behörden. Dieselskandal? Hat Zetsche nie gehört. Im Gegensatz zu Volkswagen sei im Ländle niemals nie geschummelt worden. Nur Autofahrer und Justiz scheinen ein wenig engstirnig. Bereits mehr als 700.000 Autos des Modells GLK musste Daimler bisher in Deutschland zurückrufen. Dumm nur, dass die Softwarefunktion, die Daimler für legal hält, noch in weiteren Modellen eingebaut ist. Komme, was da wolle. Zetsche nahm am Mittwoch auf der Hauptversammlung sein Geld und verschwand.

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