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Aus: Ausgabe vom 21.05.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Verfassungstheater

Hamburger Abendblatt | So., abendblatt.de
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Würde jeder Grundgesetzartikel auf diese Weise dem Publikum nahegebracht, es nähme epische Ausmaße an

Unter den unfreiwillig satirischen Kommentaren zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes (GG) sticht ein siebenminütiger Film hervor, den das Hamburger Abendblatt mit der Zeit-Stiftung produziert und am Sonntag auf seiner Internetseite publiziert hat. In dem Streifen lesen 20 Prominente – von Tagesschau-Ansagerin Linda Zervakis bis HSV-Idol Uwe Seeler – Grundgesetzartikel vor.

Groteske Höhepunkte: Sänger Udo Lindenberg liest Artikel 3 (»Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich«) und das offenbar ausgerechnet in einem Flur des Nobelhotels Atlantic, in dem er wohnt; Regisseur Fatih Akin zitiert Artikel 16 a (»Politisch Verfolgte genießen Asylrecht«), der bekanntlich längst beerdigt wurde; und Hamburgs früherer Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) behauptet, den Vätern der Verfassung hätte »die Nazizeit noch in den Knochen gesteckt«. Das Grundgesetz sei darum ein »Bekenntnis zu einer neuen und anderen Welt«. Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken. (kst)

kurzlink.de/Abendblatt-GGFilm

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