Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
Gegründet 1947 Montag, 27. Mai 2019, Nr. 121
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Aus: Ausgabe vom 18.05.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Erschütternd

Zu jW vom 26.4.: »Unbehaustsein«

Vor kurzem stellten Sie Aref Hamzas Gedichtband »Du bist nicht allein« vor. (…) Die Lektüre hat mir ab dem ersten Vers das Herz zusammengepresst. Erschütternder Lebensbericht dieses Mannes, erschütternder Bericht über den Krieg in Syrien und die Menschen, die darin umkommen. Ja, dieses Buch sollte Pflichtlektüre aller Abgeordneten des Bundestages werden sowie der EU-Parlamentarier und jener, die von »Asylanten« und »Überfremdung« brüllen. Aber auch das ist gewiss: Wenn, dann würde sich kein Herz bei diesen Menschen rühren noch eine Stimme gegen die Kriegstreiber. Warum? Weil sie selbst die Kriegstreiber sind. Aber sie werden ihren Krieg erleben, hier, mitten in Europa, wenn sie sich weiter die Ohren zustopfen, die Augen schließen. Bitter all das, was nun mit uns allen geschieht. 1989/1990 war die Geburtsstunde der kommenden Katastrophen.

Vielen Dank auch an Otto Köhler für seine Artikel zum Grundgesetz. Ich sammle sie und lege sie in das Exemplar, welches ich besitze. Für jene, die es nach mir in die Hand nehmen. Wird das überhaupt sein? Alle tönen von Demokratie und Grundgesetz, wer hat es wohl gelesen, studiert? Jene, die das verzapft haben, rechneten mit dem Gleichmut der Bevölkerung, ihrem Desinteresse und ihrer Faulheit. Sie haben damit ins Schwarze getroffen und regieren seither drauflos. Der Zeit natürlich immer angepasst!

Ullrich Uhle, per E-Mail

Völlig selbstverständlich

Zu jW vom 10.5.: »Immer wieder freitags«

Dem Beitrag über »Fridays for Future« ist im großen und ganzen zuzustimmen. Dass Greta Thunberg bei der Verleihung der »Goldenen Kamera« jedoch keinen Anstoß an dem Spektakel genommen habe, ist falsch. Sie hat in ihrer sechseinhalbminütigen Rede »Wir leben in einer merkwürdigen Welt« nicht nur den Promis den Spiegel vorgehalten, sondern auch, für jeden hörbar, ein neues politisches System gefordert. Es gehören keine Phantasie oder besondere politische Bildung dazu, um zu wissen, dass damit die Überwindung des kapitalistischen Systems gemeint war. Am 29. März 2019 haben wir mit unserem Enkel an der Großdemonstration von »Fridays for Future« in Berlin teilgenommen. 25.000 hochpolitisierte Schüler haben statt des Unterrichts mit originellen Plakaten und lautstark eine Zukunft eingefordert, die den Menschen, den Tieren, den Pflanzen und dem Planeten eine Überlebenschance ermöglicht. Dass dafür der Kapitalismus überwunden werden muss, war der übergroßen Mehrheit geradezu selbstverständlich.

Cornelia und Hans-Jürgen Joseph, Berlin

Falsche Analyse

Zu jW vom 10.5.: »Immer wieder freitags«

Christian Stache wirft »Fridays for Future« vor, der »Vorschlag der CO2-Steuer« befürworte »ausdrücklich die Inwertsetzung der Natur«. Das ist meines Erachtens unzutreffend. Sicherlich bedeutet der Emissionshandel, wie er von der Bundesregierung und der Industrie favorisiert wird, eine Inwertsetzung von Natur: Verschmutzung (Emission) wurde zu einem Recht, Verschmutzungsrechte wurden verteilt, und diese Rechte auf CO2-Emissionen handelbar gemacht. Das ist Inwertsetzung! Nicht aber die Besteuerung von CO2-Emissionen. Besteuerung ist eine monetäre Bestrafung von Verschmutzungshandlungen. Bei den Bußgeldern für Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung redet doch auch keiner von »Inwertsetzung des Straßenverkehrs«. Steuern und Strafgelder für Handlungen festzusetzen bedeutet gerade nicht deren Inwertsetzung. Inwertsetzung im Straßenverkehr passiert mit der Privatisierung von Straßen. Wie alle Begriffe sollte auch der von der »Inwertsetzung von Natur« differenziert gehandhabt werden!

Auch bezieht sich Stache positiv auf die »Antikapitalistische Plattform in Fridays for Future«. (…) Wer nachsieht, wird dort erstaunliche Plattheiten finden, unter anderem: »Auf der einen Seite bilden führende Politiker und Wirtschaftsbosse die herrschende Klasse.« Das ist unzutreffend; die beiden Hauptklassen sind Kapital und Arbeit. Und Kapital meint: Eigentum an Produktionsmitteln, nicht die Verwaltung derselben. Es sind wesentlich die Eigentümer der Produktionsmittel, die »ein Interesse an der Maximierung ihres Profites und am Fortbestehen des Systems« haben – natürlich neben allen Nutznießern dieser Profite im Management, in der Produktion und in den Innovationsabteilungen. (…)

Andreas Riekeberg, per E-Mail

Keine Zukunft

Zu jW vom 11.5.: »Mehr Staatsknete für E-Autos«

Jedes Kind weiß, dass es keine Zukunft hat, das E-Auto! Die Herstellung von Batterien lässt sich für mich auch schlecht mit dem Prädikat »grün« versehen, im Gegenteil. Vielleicht geht’s der BRD und ihren Konzernen mehr um die Umverteilung von unten nach oben, indem man die Luxusflotte mit 500 PS starken E-Motoren aufstocken kann. Steuervorteile für wen, bitte? Mit 100.000 E-Pkw würde das Stromnetz einer Großstadt zusammenbrechen!

Andreas Rösler, per E-Mail

Falsche Schlüsse

Zu jW vom 14.5.: »Bewaffneter Wahn«

Die Verfasserin kommt meines Erachtens zu Fehleinschätzungen, was Entstehung und Treiben bewaffneter Milizen wie Boko Haram betrifft. Nicht Armut, Unterentwicklung und mangelnde Demokratiefähigkeit in Afrika sind dafür verantwortlich. Vielmehr sind es in erster Linie die Kräfte, die die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas verhindern. Kamerun verfügt über etliche Rohstoffe: Erdöl, Holz, Palmöl, Kakao, Kaffee, Aluminium. Französische, südamerikanische und US-amerikanische Firmen beuten diese aus. Die Bevölkerung verbleibt in Armut und Perspektivlosigkeit. Auf dem Boden dieses Elends bildet sich der Vernichtungswahn der mörderischen Milizen. Ein Schariastaat erscheint dann wohl als Befreiung von dieser Art »westlicher Kultur«. Als demokratisch gereifter Verfasser sollte man in erster Linie nicht die fehlgeleiteten Schariaanhänger verurteilen, sondern die tatsächlichen Verantwortlichen für das afrikanische Elend.

Angelika Rapke, Heretsried

Die Schüler fordern eine Zukunft ein, die eine Überlebenschance ermöglicht. Dass dafür der Kapitalismus überwunden werden muss, ist ihnen geradezu selbstverständlich.