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Aus: Ausgabe vom 17.05.2019, Seite 16 / Sport
Eishockey

»Der Ballon ist voll«

Nach einem dramatischen 3:2 gegen die Slowakei ist dem deutschen Eishockeyteam das Viertelfinale so gut wie sicher
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Immer locker durch die Hose: Leon Draisaitl, Moritz Müller und Korbinian Holzer (v. l. n. r.) sondieren ihre Strategie

Nach einem Ständchen für das Geburtstagskind Matthias Plachta um Mitternacht gönnten sich die deutschen Eishockeyspieler um Starstürmer Leon Draisaitl ein paar Bier auf ihren historischen WM-Start. Und manch einer dachte bei der kleinen Feier für den Mannheimer Stürmer im Teamhotel an das 15 Monate zuvor in Südkorea errungene olympische Silber. »Der Ballon ist voll aufgepumpt. Du merkst in der Kabine: Sie wollen mehr. Das erinnert mich an Pyeongchang«, sagte Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockeybundes (DEB), nach dem dramatischen 3:2 gegen den WM-Gastgeber Slowakei und dem praktisch sicheren Einzug ins Viertelfinale.

Dank des Siegtores von Draisaitl 27 Sekunden vor Schluss schreibt das Team Eishockey-Geschiche: Mit vier Siegen in eine WM startete Deutschland zuletzt 1930, als »Justav« Jaenecke die Mannschaft bis ins Finale im Berliner Sportpalast führte. Bis zu einer Medaille wie damals ist der Weg in der Slowakei allerdings noch sehr weit.

Das Viertelfinale und damit die direkte Qualifikation für die Winterspiele 2022 in Peking sind der DEB-Auswahl nur noch theoretisch zu nehmen. In den restlichen Vorrundenspielen gegen Kanadas NHL-Auswahl am Samstag, den schwächelnden Mitfavoriten USA am Sonntag und Finnland am Dienstag geht es darum, sich eine möglichst gute Ausgangsposition für die K.-o.-Runde zu sichern. Noch ist die deutsche Mannschaft – aufgrund des leichteren Auftakts – Tabellenführer der Gruppe A. »Jetzt kommen die schweren Brocken«, meinte NHL-Verteidiger Korbinian Holzer: »Da können wir ein bisschen locker durch die Hose atmen.« Der Druck ist weg, der Spaß beginnt.

Ein Geniestreich des 23jährigen Draisaitl, in dieser Saison mit 50 Toren zum NHL-Superstar aufgestiegen, hatte das Nervenspiel entschieden. Bis dahin eher unglücklich, schnappte sich Draisaitl den Puck, zog aufs Tor und schlenzte ihn an Verteidiger und Torwart vorbei ins Netz. »Im Rest des Spiels habe ich eigentlich nichts wirklich Gutes hinbekommen«, gab er zu, »da habe ich mir gedacht, eine gute Aktion muss ich noch irgendwie zustande bringen.« Sie führte die deutsche Mannschaft in die K.-o.-Runde und ließ sie von einem weiteren Coup träumen. Bundestrainer Toni Söderholm allerdings wollte noch nicht über eine Medaille reden: »Das ist zu früh. Es ist noch zu viel Eishockey zu spielen.« (sid/jW)

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