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Aus: Ausgabe vom 17.05.2019, Seite 8 / Ansichten

Absteiger des Tages: Deutsche Bank

Von Klaus Fischer
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Konzernzentrale der Deutschen Bank AG in Frankfurt am Main

Die Deutsche Bank kann einpacken. Das Image ist im Eimer, der Konzernsitz viel zu groß für die Resterampe des einstigen Weltmarktführers. Ein Anteilschein ist für weniger als zehn Euro zu haben. Und dann noch diese ständige Drängelei von Politchargen aus Berlin, mit der noch mickrigeren Commerzdingsda von nebenan zu fusionieren. Schwere Zeiten also für die Finanzakrobaten aus Frankfurt.

Früher war das anders. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Arisierungsspezialist Hermann Josef Abs das Szepter und finanzierte das »Wirtschaftswunder«. Unter Abs und seinen Nachfolgern war die Bank praktisch die Mutter der Deutschland AG.

Auch große Humoristen brachte das Institut hervor, allen voran Hilmar Kopper. Als der Baulöwe Jürgen Schneider in den 1990ern eine krachende Pleite hinlegte, bezeichnete der Bankchef die damit einhergehenden Millionenverluste als »Peanuts«. Der Spruch ist heute noch ein Klassiker.

Unvergessen Rolf Breuer. Dem gelang es mit einem einzigen Interview 2002, das Medienimperium des Helmut-Kohl-Intimus Leo Kirch zu schreddern. Darüber freut man sich noch heute im Hause Axel Springer. Denn die Bank sorgte auch dafür, dass Kirchs dickes Aktienpaket am Meinungskonzern (Bild) wieder in den Besitz der Familie kam.

Groß denken war Pflicht. Investmentbanking – na klar. Ausreizen und Überschreiten von Gesetzen und Regeln – gerne. Verdienstvoll dabei Bankchef Josef Ackermann. Der begrub die Deutschland AG und durfte im Kanzleramt seine Geburtstagsfete ausrichten.

Absahnen und tricksen blieben weiter en vogue. Kaum ein Finanzskandal wurde ausgelassen. Und keine Strafzahlung. Das war wie ein Statussymbol. Gestern nun verkündete die EU-Kommission, dass fünf wichtige Geldhäuser eine Milliardenstrafe wegen Manipulationen zu zahlen hätten. Dabei die üblichen Verdächtigen wie Barclays oder Citigroup. Die Deutsche Bank nicht. Welch ein Absturz.

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