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Aus: Ausgabe vom 14.05.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Arbeitsplätze

Thyssen-Krupps Plan B

IG Metall fordert Klarheit für Beschäftigte. Vorstand will einzelne Geschäftsfelder verkaufen. Tarifvertrag verliert Gültigkeit
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Hochöfen von Thyssen-Krupp in Duisburg Bruckhausen

Nach der geplatzten Fusion mit Tata Steel will Vorstandschef Guido Kerkhoff Thyssen-Krupp in eine Holding umbauen, die einzelne Geschäftsfelder an neue Investoren verkaufen soll. Die Aufzugssparte, den wertvollsten Teil des Konzerns will Kerkhoff an die Börse bringen. »Das werden wir schnellstmöglich angehen«, sagte er dem Handelsblatt (Montagausgabe). Nach diesen Entwicklungen dringt nun die IG Metall auf rasche Klarheit für die Beschäftigten. »Ich erwarte ein neues Zukunftskonzept für den Stahlbereich«, sagte Stahl-Gesamtbetriebsratschef Tekin Nasikkol der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Er betonte: »Betriebsbedingte Kündigungen hat es bei uns noch nie gegeben und darf es auch in Zukunft nicht geben.«

In den kommenden drei Jahren sollen laut Kerkhoff 6.000 Angestellte, davon 4.000 in Deutschland, entlassen werden. Grund für den Stopp der Fusion sind Auflagen der EU-Kommission, die die beiden Konzerne nicht erfüllen wollen, weil sie dadurch ihr Einsparungspotential in Höhe von 500 Millionen Euro pro Jahr gefährdet sehen. Durch den Zusammenschluss wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern mit rund 48.000 Mitarbeitern und mit Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden entstanden. »Wir hatten im Falle des Joint Ventures mit dem Tarifvertrag Zukunft eine langfristige Absicherung für Arbeitsplätze und Standorte. Jetzt haben wir diese Sicherheiten nicht mehr«, sagte Nasikkol.

An Stelle der abgeblasenen Aufspaltung des Konzerns in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen für Werkstoffe und für Industriegüter soll jetzt Kerkhoffs Plan, die profitable Aufzugssparte an die Börse zu bringen, treten. Kerkhoff hält derweil neben dem Aufzugsgeschäft weitere Verkäufe und Partnerschaften für möglich. »Wenn wir sehen, dass sich die Geschäfte in Partnerschaften oder anderen Strukturen besser entwickeln können, dann werden wir uns dem öffnen«, fügte er hinzu. (dpa/jW)

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